IG pflegender Angehöriger: Demenz geht uns alle an

Pflege daheim  - leicht(er) gemacht! Fotos aus dem Lernbehelf "Betreuung und Pflege in der Familie", Österreichisches Rotes Kreuz 2005. Seite 28. Aufhelfen vom Sitzen. Seite 33. Mobilisierung von stark bewegungseingeschränkten/bettlägrigen Personen. Auch der Pflegende muss auf sich schauen. Rückenschonendes Arbeiten! Hochformat.

In Österreich leben 452.800 Pflegegeldbezieher, von denen 84 Prozent zu Hause gepflegt und versorgt werden. Der durchschnittliche pflegende Angehörige ist weiblich und knapp 61 Jahre alt. Um die Interessen der Angehörigen nach außen hin zu vertreten und ihnen eine Stimme zu geben, gibt es seit nunmehr sechs Jahren die Interessengemeinschaft pflegende Angehörige (IG-Pflege).

 

Im Zentrum der Jahrestagung am 07. April 2016 in Wien stand das Thema Demenz, das pflegende Angehörige extrem fordert, wie Birgit Meinhard-Schiebel, Präsidentin der IG-Pflege weiß: „Sehr oft geraten nicht nur die demenzkranken Menschen in eine innere Isolation. Auch ihre pflegenden und betreuenden Angehörigen verlieren ihre sozialen Kontakte, ziehen sich gemeinsam mit dem kranken Menschen zurück und kämpfen gegen eine Krankheit an, für die es keine Heilung gibt“. Deswegen arbeitet die Interessensgemeinschaft unermüdlich daran Wege zu finden, die Betreuenden und Pflegenden zu begleiten und zu stützen.

Österreich, Wien, 07.04.2016: Pressekonferenz der Interessensgemeinschaft pflegender Angehöriger zum Thema Demenz. vlnr.: Birgit Meinhard-Schiebel (Präsidentin IG-Pflege), Norbert Partl (Caritas, Erzdiözese Wien), Hanna Fiedler (pflegende Angehörige), Werner Kerschbaum (Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes).

vlnr.: Birgit Meinhard-Schiebel (Präsidentin IG-Pflege), Norbert Partl (Caritas Wien), Hanna Fiedler (pflegende Angehörige), Werner Kerschbaum (Generalsekretär des ÖRK).

 

Dieses Ziel verfolgt auch die Caritas, wie Norbert Partl, Leiter der Angehörigenarbeit im Pflegebereich, erklärt: „Pflegende Angehörige benötigen einfache und emotional ansprechende Zugänge zur Hilfe. Der Schlüssel ist in vielen Fällen die erkrankte Person selbst“. Regelmäßige Treffen schaffen laut Partl „das nötige Vertrauen, damit Betroffene weitere Hilfe annehmen“.  Ein Weg der Entlastung hat sich mit der Etablierung des Angehörigengesprächs gefunden, worüber sich Werner Kerschbaum, Vorstandsmitglied der IG-Pflege und Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, besonders freut: „Endlich können die Angehörigen ein Gespräch für sich einfordern, das ihnen Wege aufzeigt, ihren Alltag besser zu meistern“. Dennoch gibt es laut Kerschbaum noch viel zu tun: „Wir begrüßen natürlich die von Gesundheits-  und Sozialministerium ausgearbeitete Demenzstrategie und die darin enthaltenen Wirkungsziele. Nun geht es aber um eine effektive Umsetzung der Handlungsempfehlungen im Sinne der pflegenden Angehörigen“.

 

Hanna Fiedler ist eine von diesen Angehörigen. Die Initiatorin einer Selbsthilfegruppe für Angehörige demenzerkrankter Personen pflegt seit Jahren ihren erkrankten Mann. Fiedler weiß, wie viel gesellschaftlicher Druck auf den Angehörigen lasten kann: „Viele Sätze beginnen mit ‚du musst‘ oder ‚du solltest‘. Auch wenn sie dann mit ‚auf dich achten‘ enden klingen sie wie weitere Forderungen“.

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