Akademisierung der Pflege – ein Nachteil für die PatientInnen?

Die klassische Pflegeausbildung hat in Österreich bald ausgedient. Die mit der GUKG-Novelle 2016 ab Herbst neu eingeführte generalistische, dreijährige FH-Grundausbildung zum Bachelor führt zu einer (Teil-)Akademisierung der Pflege. Der Großteil der herkömmlich diplomierten Pflegefachkräfte sieht gegenwärtig keinen Vorteil.

Daumen-hoch-Daumen-runter

Eine Studie des Institute for International Research (IIR) in Wien zeigt: 49 % der befragten Pflegekräfte erwarten sich keine Verbesserung, nur 27 % gehen von einer positiven Entwicklung aus und der Rest ist unentschlossen. Die größten Skeptiker unter den anderen Berufsgruppen im Spital sind die ÄrztInnen, während das Verwaltungspersonal der Entwicklung positiver gegenüber steht.

 

Weg vom Krankenbett – hin zum Schreibtisch?

Die Meinung in Hinblick auf die Akademisierung ist gespalten. Viele Befragte befürchten, dass es zu einer Verlagerung der Ressourcen kommt – weg vom Krankenbett, hin in die Organisation. Somit gehen sie von einer Situationsverschlechterung für die PatientInnen aus. Die Befragten denken, dass das diplomierte Pflegepersonal (mit dreijähriger Ausbildung) schon jetzt sehr gut, vor allem mit hohem Praxisbezug(!) ausgebildet ist und dass genau diese Nähe zu den PatientInnen durch die neue Ausbildung leiden wird.

Ein weiteres Gegenargument ist, dass die direkte Arbeit am Krankenbett dann von weniger qualifizierten PflegefachassistentInnen (neu, mit zweijähriger Ausbildung) übernommen wird. Andererseits kann laut den Befragten der Berufstand durch die Akademisierung aufgewertet werden. Da auf die Pflegekräfte immer mehr Aufgaben zukommen, kann eine fundierte theoretische Ausbildung im Sinne einer „evidenzbasierten Pflege“ durchaus von Vorteil sein. Dies gilt jedoch nur, wenn die neuen Pflege-Bachelors weiterhin  direkt am Krankenbett eingesetzt werden und nicht nur organisatorische Aufgaben übernehmen.

Weitere Übernahme bislang ärztlcher Aufgaben?

Die Ansprüche an den Gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege (Diplomkräfte) haben sich bereits in den letzten Jahren enorm verändert. Viele Tätigkeiten von ärztlicher Seite sind von den Pflegekräften übernommen worden. Hier kann die Akademisierung einen wichtigen Beitrag für die gewünschte Kompetenzerweiterung leisten. Jedoch scheitert es oft an den rechtlichen Rahmenbedingungen. Aufgaben, die die Pflegekräfte sehr gut übernehmen könnten, sind ihnen derzeit (noch) nicht gesetzlich erlaubt. Andererseits werden jedoch die bereits bestehenden Möglichkeiten der weitblickenden Berufsreform (GUKG) aus 1997 noch immer nicht voll ausgeschöpft.

 

Vertrauen in das eigene Krankenhaus weiterhin sehr hoch

Die IIR GmbH befragt jährlich über 300 KrankenhausmitarbeiterInnen zu den brennendsten Fragen des Gesundheitswesens. Im Rahmen des Krankenhaus-Vertrauensindexes (KHVI) wird im ersten Schritt erhoben, ob sich die Angestellten im eigenen Krankenhaus behandeln lassen würden, um eine Aussage über die Qualität der österreichischen Gesundheitsversorgung treffen zu können. Wie auch im letzten Jahr gibt es auf diese Frage eine breite Zustimmung: 87 % aller Befragten wählen „ja“ oder „eher ja“ (Vorjahr: 86 %).

Details unter [www.iir.at/kh-index] (http://www.iir.at/kh-index)

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