Weniger Klinikeinweisungen für Pflegeheimbewohner – künftiger Goldstandard in der integrierten geriatrischen Versorgung?

Bis zu 48 % weniger mussten alte HeimbewohnerInnen nach akuten Erkrankungen in Spitäler eingewiesen werden: Das im Jahr 2012 erfolgreich in Graz (Steiermark) umgesetzte und evaluierte Projekt „Geriatrischer Konsiliardienst (GEKO)“ ließ die Fachwelt aufhorchen und hat bereits mehrfache Nachahmung in anderen Bundesländern gefunden. In einer späteren Studie hat nun auch die Universität Witten/Herdecke dieses Konzept der aufsuchenden medizinischen Versorgung im Pflegeheim bestätigt (bis zu -35% weniger Einweisungen) und weiterentwickelt sowie ein Arbeitsbuch für Pflegeheime erarbeitet. Dieses wird bei einer Fachtagung im Februar 2017 vorgestellt.

 

Werden erkrankte Bewohner eines Pflegeheims direkt in der Einrichtung versorgt, können damit Krankenhauseinweisungen oftmals vermieden werden. Die Pflegewissenschaftler*innen der UW/H erarbeiteten hierzu sechs verschiedene Interventionsphasen mit differenzierten Maßnahmen, berichtete die Leiterin des Departments für Pflegewissenschaft, Christel Bienstein (siehe Link unten). Die Bausteine des Versorgungsansatzes beinhalteten u.a. die umfängliche Aufnahme des Gesundheitszustands, die genaue Abklärung der Wünsche der Bewohner vor dem Einzug in die Einrichtung, die Erstellung von Notfallplänen sowie die Einrichtung eines Hintergrunddienstes und eines Behandlungszimmers.

Eine parallel erstellte ökonomische Studie zeigte auf, dass es sowohl für Pflegeheime wie für Krankenhäuser ökonomisch sinnvoll sei, akut erkrankte Bewohner direkt im Pflegeheim zu versorgen.

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Den „Drehtür-Effekt“ möglichst oft zu vermeiden sollte oberstes Ziel sein

 

Fachtagung 2017

Die Tagung am 3. Februar 2017 stellt die Ergebnisse eines Forschungsprojektes vor, welches zur deutlichen Reduzierung von akut erkrankten Bewohner/innen von Alteneinrichtungen geführt hat. Das Projekt wurde im Rahmen des Ziel 2 NRW-Programms gefördert.

Inzwischen liegt ein Arbeitsbuch vor, welches Alteneinrichtungen Hinweise und Handlungsoptionen aufzeigt, um auch ihre Bewohner/innen bei akuten Erkrankungen vermehrt in der eigenen Einrichtung zu versorgen.

Der Eintritt ist frei, ein Arbeitsbuch wird jeder Einrichtung zur Verfügung gestellt.

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Tagungsort: Universität Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen Str. 50, Audimax
Anmeldung: Sabine Reschke, Tel.: 02302-926-301 – Mail: sabine.reschke@uni-wh.de

Weitere Informationen hier.

Das Projekt IVA (03/2013 – 07/2015) der deutschen Privatuniversität Witten/Herdecke

Artikel zum Projekt IVA von Prof. Christel Bienstein (Mai 2016)

 

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Das im Jahr 2014 preisgekrönte österreichische Projekt: „Geriatrischer Konsiliardienst (GEKO)“

und

Konzept des Projektes GEKO (2012)

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