Altenpfleger*innen immer häufiger psychisch krank

gesundheitsreport-2016

Beinahe schon jede zweite Altenpflegerin war im Vorjahr von psychischen Erkrankungen betroffen. Dies geht as dem kürzlich veröffentlichten Gesundheitsreport der Betriebskrankenkassen hervor. Demnach hätten 40,5 % der in der Altenpflege Beschäftigten mindestens einmal die Diagnose einer psychischen Erkrankung gestellt bekommen – mithin deutlich öfter als im Durchschnitt aller Berufsgruppen (25 %). Krankheitsbedingt fehlten AltenpflegerInnen im Vorjahr 24,1 Tage, mithin über eine Woche mehr als der Durchschnitt. Fast jeder fünfte Fehltag gehe dabei auf das Konto psychischer Erkrankungen. Mehr als jeder vierte Krankenstandstag werde aber durch Muskel- und Skeletterkrankungen verursacht.

Hände alt-jung
Zum neuen BKK-Gesundheitsreport

 

Kurz nach Redaktionsschluss erreichte uns folgende Stellungnahme des DBfK:

 

Wer gesundpflegen soll, muss gesunderhalten werden!

Mit den heute veröffentlichten Daten des BKK Gesundheitsreport 2016 „Gesundheit und Arbeit“ wird deutlich, wie stark sich die anhaltend belastenden Arbeitsbedingungen in der Pflege für die Beschäftigten auswirken. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) hat seit Jahren davor gewarnt, offenbar  vergeblich. „Alle Jahre wieder alarmierende Zahlen. Alle kennen die Trends, alle wissen um die Probleme, aber niemand packt bisher die Ursachen wirklich an“, sagt DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel. „Dass AltenpflegerInnen mit weitem Abstand die meisten Fehltage wegen psychischer Störungen aufweisen – das 37-fache der Berufsgruppe mit den wenigsten Fehltagen dieser Krankheitsart – ist dramatisch. Dicht dahinter folgen die Beschäftigten der Gesundheits- und Krankenpflege in diesem Ranking.

 

Knapp jede/r zehnte Altenpfleger/in erhielt 2015 mindestens einmal ein Antidepressivum verordnet, auch das ist „Spitze“; die Gesundheits- und Krankenpflege liegt nur wenig dahinter. Das liegt aber nicht etwa daran, dass diese Menschen besonders anfällig oder prädestiniert für psychische Störungen wären, ganz im Gegenteil. Pflegefachpersonen sind physisch und psychisch enorm belastbar und halten in der Regel lange aus. Ihr großes Pflichtbewusstsein und ihre Verantwortung pflegebedürftigen Menschen gegenüber lässt sie allzu oft eigene Bedürfnisse zurückstellen, bis es nicht mehr geht. Ihr Beruf und das andauernde Ungleichgewicht zwischen Arbeitsintensität und Personalkapazität machen sie krank – häufig sogar dauerhaft erwerbsunfähig. Wo bleibt da die Fürsorgeverpflichtung der Unternehmen für ihre Beschäftigten? Warum lässt der Staat zu, dass Arbeitsschutz und Arbeitsrecht ausgehebelt und beruflich Pflegende in dieser Weise verschlissen werden? Und wie sollen unter solchen Bedingungen junge Menschen für einen Pflegeberuf gewonnen werden?“, fragt die DBfK-Expertin.

dbfk

Die auffallend hohen Krankheitsausfälle – wegen psychischer wie auch physischer Erkrankung – in den Pflegeberufen machen seit Jahren Schlagzeilen. Zu den Hauptursachen gehören die verfehlte Personalpolitik und die unzureichende Personalbemessung in Kliniken, Heimen und Pflegediensten. Vor dem Hintergrund des weiter zunehmenden Pflegefachkräftemangels ist es umso unverständlicher, dass noch immer nicht in mehr qualifiziertes Personal und damit gesündere Arbeitsplätze investiert wird. Denn das ist eine Investition, die sich schnell auszahlt: für den Arbeitgeber, für das Gesundheitssystem, für die Kostenträger und letztlich auch für das Rentensystem. Ganz abgesehen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich eine ausgewogene Balance zwischen Privatleben und Beruf wünschen. Es reicht eben nicht, Pflegefachpersonen für den Umgang mit Stress zu schulen, solange die Arbeitsbedingungen unverändert und hochbelastend bleiben. Zur Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz gehört zuallererst die Verhältnisprävention!

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