Das Psychobiografische Pflegemodell nach Prof. E. Böhm jetzt auch in den Niederlanden

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 Erste Zertifizierungen in den Niederlanden

 

In den Niederlanden wurde 2015 eine politische Änderung in der Pflege durchgeführt. Insbesondere für die Demenzpflege ist das von entscheidender Bedeutung. Oberste Prämisse ist „Ambulant vor Stationär“. Damit sind Klienten abhängig von Angehörigen, eine Überbelastung der Angehörigen ist die Folge. Ehepartner und Kinder sind den Konsequenzen nicht gewachsen. Es zeigt sich, dass die Pflege nach Böhm als eine Lösung erfahren wird.

Ein Gastbeitrag von Dolf Becx (Tilburg, NL) und Marianne Kochanski (ENPP, Bochum/DE)

 

Die ursprüngliche „Übergangspflege“ nach dem österreichischen Pflegeforscher Prof. Erwin Böhm wird jetzt auf verschiedene Weise genützt und zeigt sofort erstaunliche Erfolge. Nach den ersten Schulungen gibt es eine Warteliste im Bereich Weiterbildung und Beratung, da derzeit nur wenige Referenten in den Niederlanden ausgebildet sind.

 

Wie kann es sein, dass in dem Land mit vielversprechenden eigenen Beispielen für Demenzpflege jetzt eine deutschsprachige Methode introduziert wird? Es ist nur so zu erklären, dass man realisiert, dass „zu Hause wohnen mit Demenz“ ganz andere Anforderungen an die Pflege stellt als die Pflege in einem Heim. Wichtig ist es zu verstehen, wodurch die Methode Böhm sich grundsätzlich unterscheidet von andere Methoden und Theorien.

 

Seit Jahren haben Wissenschaftler in den Niederlanden bestätigt, dass die ganz persönliche, eigene Wahrnehmung eines Menschen mit Demenz das einzige ist, was zählt. Aber in den Niederlanden sind fast alle Methoden ausgerichtet auf Observation, auf Sicherheit. Damit kann man arbeiten aber ohne Freiheitsbeschränkungen und Psychopharmaka wird das nicht gehen.

Obwohl Menschen zu Hause unter leichter bis mittelschwerer Demenz leiden, gibt es dort nicht die Möglichkeit der intensiven Pflege. Angehörige wollen- und sind dazu gezwungen zu unterstützen, aber sie sind nicht 24 Stunden verfügbar. Wenn das aber notwendig ist, entstehen Konflikte und die Angehörigen fühlen sich überlastet.

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Die Methode Böhm, und hier sehr bedeutend die Übergangspflege nach Böhm, lehrt uns das Verständnis für die persönliche Welt der Klienten mittels Erreichbarkeitsstufen und wie es möglich wird, einen individuellen Tagesablauf zu schaffen. In diesem Tagesablauf findet der Mensch seine eigene Normalität wieder und kann wieder viel selber machen. Das Gefühl etwas geleistet zu haben stärkt die Ich Wichtigkeit, der Klient ist zufrieden und zeigt deutlich weniger Verhaltensauffälligkeiten.

Das bedeutet eine spürbare Entlastung für Ehepartner und Kinder und die Gesellschaft schafft es, diese Klienten länger zu Hause wohnen zu lassen- ohne auffallende Probleme. In den Niederlanden ist es üblich, dass man mit der Diagnose Demenz zwar zu Hause wohnt, aber auch niederschwellige Angebote wie die Tagesstätte oder den Sorg Hof nutzt.

 

Ein großes „Sorg Hof“ in der Nähe von Den Bosch (Südliche Niederlande) hat als erste Einrichtung in den Niederlanden das Arbeiten mit dem Psychobiografischen Pflegemodell eingeführt und bemerkt, dass es sehr gut zur neuen Niederländischen Pflege-Realität passt. Auf ‚Zorgboerderij Giersbergen‘ hat ein Grundkurs für das Modell Böhm stattgefunden. Von allen Gästen mit der ärztlichen Diagnose Demenz wurde eine persönliche Psychobiografie erhoben. Mit Hilfe des Interaktionsbogens wurde die Erreichbarkeitsstufe ermittelt.

 

Aufgrund dieser Erhebungen war es möglich zu deuten, was dem Klienten fehlt. Durch gut funktionierende Impulse konnten so individuelle Tagesabläufe erstellt werden. Aber, wenn ein Mensch im Sorg Hof kompensiert war, war er es zu Hause noch nicht. Darum war es sofort notwendig, mit den Angehörigen auch zu Hause die Übergangspflege Böhm zu implementieren. Das erwies sich als eine sehr gute Initiative. Dieses Pflegeverständnis und die erfolgreiche Arbeitsweise haben sich schnell verbreitet, deshalb gibt es jetzt ein unglaublich großes Interesse an der Übergangspflege und an dem Modell von Prof. Böhm in den Niederlanden.

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Erste Zertifizierungen vergeben – weitere sollen folgen

In Begleitung des Niederländischen Vertreters Dolf Becx, wurde von der Geschäftsstelle der ENPP-Böhm GmbH (Deutschland, Österreich) im Februar 2017 drei weitere „Sorg Höfe“ auf psychobiografische Pflegequalität geprüft. Alle drei Einrichtungen erfüllten die Voraussetzung zur Verleihung des Zertifikats der ENPP-Böhm GmbH:

  • Zorgboerderij Personnebos , Breuningen
  • Zorghoeve Kakelbont in Dinteloord
  • Zorgboerderij in Kortgene

dürfen sich ab sofort Zertifizierte Böhm Einrichtungen nennen. Zwei weitere Sorg Höfe werden den Antrag zur Zertifizierung stellen und auch das erste Pflegeheim ist auf einem guten Weg.

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Weitere Informationen: Dolf Becx, Mail: dbecx@becxenvanloon.nl

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