Modellprojekt der Integrierten Versorgung (IV) in Saarbrücken ausgezeichnet: Sektorenübergreifender Einsatz von Betreuungskräften

Hands and puzzle on gray background. Teamwork solving a puzzle

Für das Modellvorhaben „Sektorenübergreifender Einsatz von Betreuungskräften an der Schnittstelle von Krankenhaus und ambulanter Versorgung (SEBKam)“ wird dem Saarbrücker Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) heute der Preis der Gesundheitsnetzwerker verliehen.

Der von der Berlin-Chemie AG gestiftete Preis für die besten integrierten Versorgungsprojekte wird auf dem Kongress der Gesundheitsnetzwerker an Ideen für integrierte Versorgungsmodelle oder bereits erfolgreich umgesetzte Versorgungsnetze vergeben. Die Jury vergibt insgesamt 20.000 Euro. Im Rahmen der Preisverleihung durch die Juryvorsitzende Gudrun Schaich-Walch, Staatsekretärin a. D., stellen die Preisträger ihre Projekte vor. Für das iso-Institut werden Projektleiterin Frau Dr. Kirchen-Peters und Frau Dr. Krupp die Auszeichnung entgegennehmen.
Mit dem Projekt wird erstmals in Deutschland der Einsatz von Betreuungskräften aus der ambulanten Versorgung für Menschen mit Demenz erprobt, die sich einer Krankenhausbehandlung unterziehen müssen. Dies macht in vielfacher Weise Sinn: Das Fehlen der vertrauten Umgebung und Bezugspersonen, der Stress durch die Untersuchungen und Behandlungen sowie Ängste und Schmerzen stellen für Demenzkranke einen Ausnahmezustand dar. Meist sind sie im straff organisierten Krankenhausalltag ohne Beschäftigung und Ansprache auf sich alleine gestellt und zeigen dann ein so genanntes herausforderndes Verhalten. Das heißt, sie beschließen z.B., nach Hause zu gehen, sie rufen ständig oder sie lösen sich aus Langeweile die Verbände. Damit gefährden sie sich selbst und stellen den Behandlungserfolg in Frage. Im Modellprojekt SEBKam, das vom GKV-Spitzenverband gefördert wird, werden seit Januar 2018 Betreuungskräfte aus der ambulanten Versorgung in das Krankenhaus integriert, um die Aufenthalte schonend zu gestalten, damit die Patienten anschließend in einem guten Zustand wieder in die gewohnte Umgebung zurückkehren können.

Der Innovationsgehalt liegt vor allem in der Vernetzung von Akteuren, die in der Regel kaum miteinander kooperieren. Beteiligt sind die Caritas Sozialstationen Saar-Hochwald, die Ökumenische Gesellschaft für ambulante Pflege im Saarland, das Marienhaus Klinikum Saarlouis-Dillingen, das Fliedner Krankenhaus Neunkirchen sowie das St. Nikolaushospital Wallerfangen. Mit dem Projekt wurden die Bedürfnisse von Demenzkranken in den Vordergrund gerückt, unabhängig davon, ob sie zu Hause oder im Krankenhaus versorgt werden. Demenzkranke können ihre gewohnte Betreuungskraft des ambulanten Dienstes „mit in das Krankenhaus nehmen“ oder sie und ihre Angehörigen lernen im Krankenhaus erstmals kennen, wie wichtig und sinnvoll eine Betreuung im Alltag sein kann. Mit einem vergleichsweise geringen Ressourceneinsatz wurde durch das Projekt die Möglichkeit geschaffen, die Sektoren SGB XI (Pflegeversicherung) und SGB V (Krankenversicherung), die unterschiedlich finanziert werden, sowie verschiedene Berufsgruppen miteinander zu vernetzen, um die bestmögliche Versorgung von Menschen mit Demenz auch in schwierigen Lebenslagen zu sichern. Weiterhin können unter wissenschaftlicher Begleitung Konzepte entwickelt werden, die zu einer Qualitätssicherung im Pflege- und Gesundheitswesen beitragen.

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