Internationaler Tag der Händehygiene, 05. Mai 2018: Intensivmediziner mahnen Standeskollegen zur Achtsamkeit

Aus gegeben Anlass erinnert die Österreichische Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) insbesondere ihre ärztlichen Standeskollegen an die steigende Bedeutung konsequenter Händedesinfektion. Ebendiese Konsequenz zeigt bspw. am AKH und an der MedUni Wien bereits beachtliche Erfolge bei der Senkung nosokomialer Krankenhausinfektionen.

ProfHasibederDass Intensivmediziner sich besonders für das Thema Händehygiene engagieren, hat gute Gründe. „Wir betreuen auf unseren Intensivstationen häufig Menschen mit schweren Infektionen. Dazu gehören auch Patienten, bei denen diese Erkrankungen erst während des Krankenhausaufenthaltes entstanden sind und durch adäquate Hygienemaßnahmen vermieden werden könnten“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Walter Hasibeder (Bild), für den Bereich der Intensivmedizin zuständiges Vorstandsmitglied der ÖGARI und Leiter der Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin am Krankenhaus St. Vinzenz in Zams.

Die Händehygiene im medizinischen und pflegerischen Bereich spielt in der Vorbeugung von Infektionen eine entscheidende Rolle. Deshalb wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der „Internationale Tag der Händehygiene“ ins Leben gerufen. Alle Mitarbeiter in Krankenhäusern und sonstigen Gesundheitseinrichtung sollten den Tag zum Anlass nehmen, um sich ganz besonders über die Bedeutung und die praktische Durchführung der Händehygiene auszutauschen. Führungskräfte sind aufgefordert, mit positivem Beispiel voranzugehen und die Hygienemaßnahmen zur Vermeidung von Infektionen im Gesundheits- und Spitalsbereich (nosokomiale Infektionen) zu unterstützen.

Die Eckpunkte der Händehygiene sind im Grunde genommen einfach, nämlich durch Händedesinfektion

–       vor direktem Patientenkontakt (dazu zählt auch das Händeschütteln),

–       vor Tätigkeiten, die Sauberkeit bzw. Keimfreiheit erfordern, zum Beispiel Anhängen einer Infusion,

–       nach Kontakt mit potenziell infektiösen Materialien wie Blut, Speichel, Harn, Stuhl etc.,

–       nach direktem Patientenkontakt und

–       nach Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung, also zum Beispiel beim Verlassen des Krankenzimmers

die Übertragung gefährlicher Keime von Mensch zu Mensch zu verhindern!

Die Desinfektion mit der Anwendung vor allem alkoholischer Desinfektionslösungen ist simpel, wirksam und dauert 30 Sekunden. Das Benützen von medizinischen Handschuhen ersetzt nicht die Händehygiene.

„Die Übertragung von Keimen über Kontakt zwischen Menschen, insbesondere über die Hände, ist eine der wichtigsten Infektionsquellen für nosokomiale Infektionen. Durch eine konsequente Händehygiene vor und nach jedem Händekontakt kann man die Infektionsraten und damit auch die Sterblichkeit durch solche Infektionen drastisch senken“, sagt Prof. Hasibeder.

Händehygiene immer wichtiger

Dabei werden die Hygienemaßnahmen, darunter speziell die Händehygiene, in allen Gesundheitseinrichtungen – besonders aber in den Krankenhäusern – aus mehreren Gründen immer wichtiger, wie der ÖGARI-Experte betont. „Die Patienten, die wir auf unseren Intensivstationen betreuen, werden immer älter und fragiler. Das zunehmende Alter unserer Patienten führt an sich schon zu einer schlechteren Immunsituation. Hinzu kommen chronische Vorerkrankungen, wie zum Beispiel der Diabetes, welche zusätzlich die körpereigene Abwehr schwächen und Infektionskrankheiten begünstigen.“

„Wahrscheinlich könnte man 30 bis 40 Prozent der in Gesundheitseinrichtungen und Spitälern entstehenden Infektionen durch einfache Hygienemaßnahmen verhindern“, fügt Prof. Hasibeder hinzu. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass in Krankenhäusern die Beteiligung der Beschäftigung an den Maßnahmen zur wirksamen Händehygiene zwischen 40 und 80 Prozent schwankt. Laut dem Experten gibt es deutliche Hinweise darauf, dass Ärzte im Vergleich zum Pflegepersonal routinemäßig sogar weniger daran denken.

Besonders gefährdet, potenziell Opfer von Hygienemängeln im Spital zu werden, sind gerade Patienten auf Intensivstationen. „Wir durchbrechen mit unseren Maßnahmen oft die natürlichen Schutzbarrieren. Wir beatmen die Patienten künstlich. Das heißt, Keime können direkt in die Lunge gelangen. Wir legen sogenannte „zentralvenöse Katheter“ an, um kontinuierlich Medikamente in den Blutkreislauf zu verabreichen zu können“, sagt Prim. Hasibeder. Werden hier Hygienemaßnahmen nicht strikt eingehalten, kann es rasch zu lebensbedrohlichen Infektionen kommen.

„Und dann haben wir auf Intensivstationen oft in einem Bett einen Patienten mit einer schweren Infektion, im nächsten Bett einen Schwerkranken ohne Infektion. Auch hier kommt es bei mangelhafter Hygiene rasch zur Übertragung von Infektionskrankheiten“, fügt Prim. Hasibeder hinzu.

Abwehr resistenter Keime

Eine ganz neue Dimension haben die Hygienemaßnahmen insgesamt und die Händehygiene im Speziellen mit dem Aufkommen von immer mehr Antibiotika-resistenten Keimen erhalten. Ihre Entstehung muss von Anfang an durch Hygiene und sparsamen sowie richtigen Einsatz der Antibiotika verhindert werden – ebenso ihre Weiterverbreitung von Patient zu Patient. Hier ist die wirksame Händehygiene ein (mit-) entscheidender Faktor.

 

Im Sinne Semmelweis‘: Händehygiene an MedUni Wien und im AKH Wien deutlich über dem internationalen Schnitt

Meduni-wienAm 1. Juli 2018 jährt sich der Geburtstag von Ignaz Semmelweis zum 200. Mal. Am 21. Juni veranstalten MedUni Wien, AKH Wien und die in Wien ansässige Semmelweis Foundation zu Ehren des Wiener Chirurgen und Geburtshelfers ein Symposium (13 Uhr, Hörsaalzentrum MedUni Wien/AKH Wien, Ebene 8). Ganz im Sinne des Erfinders der Hygienevorschriften in Spitälern, die er um 1847 einführte und begründete, sind die aktuellen Zahlen der Prävalenz-Untersuchung für Händehygiene in Europa: Bei der Compliance der Händehygiene liegen die Ärztinnen und Ärzte des AKH Wien europaweit mittlerweile deutlich über dem internationalen Schnitt: „Wir haben uns von einem guten auf ein sehr gutes Niveau verbessert“, sagt Elisabeth Presterl, Leiterin der Universitätsklinik für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle von MedUni Wien und AKH Wien anlässlich des am 5. Mai bevorstehenden Welttags der Händehygiene.

Das Ergebnis der aktuellen Prävalenz-Untersuchung: Im AKH Wien bzw. in den Universitätskliniken der MedUni Wien werden durchschnittlich 86 ml Desinfektionsmittel pro Patientenkontakt verwendet. „Damit liegen wir über dem internationalen Durchschnitt. Mit unseren vielen Aktionen zur Händehygiene in den vergangenen Jahren haben wir noch mehr Bewusstsein dafür geschaffen“, sagt Presterl. Auf Intensivstationen und insbesondere in der neonatologischen Intensivbetreuung liegt der Einsatz von Händehygiene noch weit höher.

Die „Entdeckung“ der Händehygiene

Ignaz Semmelweis hatte Mitte des 19. Jahrhunderts erkannt, dass es an Stationen, in denen die PatientInnen von geistlichen Schwestern und Hebammenschülerinnen betreut wurden, eine weitaus niedrigere Mortalität gab, als an Stationen, in denen Ärzte und Studierende arbeiteten, die auch Leichensektionen durchführten. Presterl: „Damals gab es eine enorme Diskrepanz zwischen 8,2 Prozent und 1 bis 2 Prozent Sterblichkeit.“ Semmelweis fand heraus, dass die Übertragung von infektiösem Material (Bakterien waren damals noch nicht bekannt) die Ursache der Infektionen und der damit verbundenen Sterblichkeit war. Er veranlasste die MedizinerInnen und Studierenden dazu, sich vor einer Entbindung bzw. der Untersuchung von schwangeren Frauen die Hände gründlich mit einer Chlorlösung und später mit Chlorkalk zu desinfizieren. Diese Hygiene-Maßnahme war höchst wirkungsvoll – die Sterblichkeit sank auf 1,3 Prozent. Später verschärfte Semmelweis seine Vorschriften dahingehend, dass die Hände vor jeder Untersuchung zu desinfizieren seien. 

Händehygiene wirkt sofort

Heute weiß man: Optimale Händehygiene senkt die Infektionsrate um bis zu 30 Prozent – und das mit einer einfachen und sehr kurzen Tätigkeit: „Händehygiene ist simpel, effektiv und dauert weniger als 30 Sekunden, kann aber Leben retten“, betont Presterl. „Durch die steigende Zahl von multi-resistenten Krankheitserregern muss immer wieder an die Wichtigkeit der Prävention einer Übertragung von Infektionen und deren Erregern erinnert werden.“ Im AKH Wien bzw. an der MedUni Wien wird die Umsetzung der Händehygiene seit einigen Jahren mit der „Reine-Hände-retten-Leben“-Kampagne begleitet – mit Erfolg, wie die neuesten Zahlen belegen.

Österreich ist eines der wenigen europäischen Länder, das die Krankenhaushygiene im Bundesgesetz über Krankenanstalten und Kuranstalten festgeschrieben hat.

Termin: 200 Jahre Semmelweis / Symposium für ÄrztInnen, Hygienefachkräfte, Pflegepersonal, Studierende und Interessierte

Donnerstag, 21. Juni 2018, 13 Uhr; Hörsaalzentrum der MedUni Wien/AKH Wien, Ebene 8, Währinger Gürtel 18-20, 1090 Wien. Special Guest: Prof. Didier Pittet.
Um Anmeldung wird gebeten unter: office@semmelweis.info.
Alle Infos: http://semmelweis.info/200-jahre-semmelweis/.

200 Jahre Semmelweis / Symposium für ÄrztInnen, Hygienefachkräfte, Pflegepersonal, Studierende und Interessierte

Donnerstag, 21. Juni 2018, 13 Uhr; Hörsaalzentrum der MedUni Wien/AKH Wien, Ebene 8, Währinger Gürtel 18-20, 1090 Wien. Special Guest: Prof. Didier Pittet.

Um Anmeldung wird gebeten unter: office@semmelweis.info.

Alle Infos: http://semmelweis.info/200-jahre-semmelweis/.

Datum: 21.06.2018, 13:00 Uhr

Ort: AKH Wien, Hörsaalzentrum der MedUni Wien, Ebene 8
Währinger Gürtel 18-20, 1090 Wien, Österreich

 

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