Mäeutisches Pflegemodell: Begründerin Cora van der Kooij (NL) verstorben

Cora van der Kooij verstorben 08-08-2018

Die Begründerin des sog. „Mäeutischen Pflege- und Betreuungsmodells“, die niederländische Historikerin und Krankenschwester Dr. Cora van der Kooij (73, Bild) ist am vergangenen Mittwoch, 08.August, in einem Hospiz in Utrecht (NL) nach langer schwerer Krankheit verstorben. Ihr Modell hat auch in Pflegeeinrichtungen in Österreich und Deutschland Eingang gefunden.

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Die internationale LAZARUS Pflege-community trauert um eine große Persönlichkeit, die nicht nur fachlich Herausragendes geleistet, sondern auch im jahrelangen Umgang mit ihrer schweren Krankheit menschliche Demut, Stärke und Größe gezeigt hat.

 

Wir danken Frau Gerda Schmidt (CS Caritas Socialis, Wien) für nachstehenden

Nachruf

Wir trauern um Frau Dr.in Cora van der Kooij (1946 – 2018) – die Begründerin des Mäeutischen Pflege- und Betreuungsmodells und jahrelange Wegbegleiterin der CS Caritas Socialis, verstarb am 08.08.2018 im 73. Lebensjahr.

Ihr Leben

Cora van der Kooij wurde 1946 in Amsterdam geboren. In der zweiten Hälfte der 60er-Jahre machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester – es waren besonders die menschlichen und gefühlsmäßigen Aspekte der Pflege, die sie beschäftigten, nicht so sehr die medizinisch-technische Seite ihres Berufes. 1969 begann sie ein Geschichtsstudium, kehrte nach dessen erfolgreichem Abschluss aber wieder in die Pflege zurück. Besonders berührt war sie von der Arbeit mit alten Menschen. Ihre Tätigkeit als Praxisbegleiterin in einer Pflegeeinrichtung führte dazu, dass sie eine fachdidaktische Methode für die umgangstechnischen und emotionalen Aspekte der Arbeit von Pflegekräften entwickelte.

 

Bei der Einführung des von ihr begründeten Pflegemodells war sie in Deutschland und Österreich sehr aktiv und hat viele Basis- und Aufbaukurse selbst abgehalten sowie auch TrainerInnen für das Modell ausgebildet. Seit 2008 war ihr Leben geprägt durch mehrere Karzinomerkrankungen, die sie eigene Erfahrung machen ließen mit der Zerbrechlichkeit ihres eigenen Menschenbildes und Lebens. Bis kurz vor ihrem Lebensende arbeitete sie an der Weiterentwicklung des Modells für andere Zielgruppen.

 

Seit Ende Mai d.J. lebte Cora van der Kooij in einem Hospiz bei Utrecht. Zuletzt sehnte sie ihren Tod schon herbei.

 

Das Modell und ihre Vision

Mäeutik definierte sie als „Hebammenkunst für Pflegetalent“. Sie begann mit der Entwicklung und Einführung in der Altenpflege, da die Not dort am größten war. Das feinfühlige Abstimmen auf das emotionale Energieniveau eines Patienten oder Bewohners gehört jedoch zur professionellen Fachkompetenz aller Pflegekräfte. Inzwischen hat sich die Mäeutik zu einem allgemeinen Pflege- und Betreuungsmodell entwickelt. Keine andere Berufsgruppe kommt den Menschen so nahe wie die Pflege und das immer wieder aufs Neue. Dazu braucht es Begabung – diese Begabung betrachtet sie als Talent.

 

Aber pflegen und versorgen sind mehr als ‚einfach nett‘ zu sein. Nur Begabung reicht nicht aus. Die Arbeit der pflegenden BegleiterInnen umfasst eine große manchmal komplexe Palette an mitmenschlichen Aufgaben, Pflichten, Verrichtungen, Verantwortlichkeiten, Wissen und Fertigkeiten. Diese Professionalität hat drei wichtige Dimensionen – die empathische, die pflegemedizinische und die pädagogische/sozial-psychologische Dimension bilden zusammen eine ganzheitliche Pflegekompetenz. Sie sind zu unterscheiden aber nicht zu trennen.

 

Cora van der Kooij´s  letzte Botschaft an uns:

„Zurzeit bin ich damit beschäftigt, mein Leben abzurunden, meine Arbeit zu übergeben und los zu lassen. Ich lebe und arbeite mit dem Bewusstsein, dass mein Leben einmal oder sogar bald ein Ende haben wird. Und glaube mir, es ist nicht leicht, Hand-in-Hand mit dem Tod zu leben. Aber alle Menschen um mich herum umsorgen mich und ich selbst kann noch jeden Tag genießen. … Und wenn mein Körper mir klar macht, dass es Zeit ist zu gehen, dann bin ich bereit. Weil ich mein Leben wirklich habe abrunden und vollenden könne.“

(Originaltext von ihrer persönlichen Homepage – online seit Juni 2017)

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