Mangelberuf bewirkt höchste Lohnzuwächse: Deutschlands Altenpflege holt deutlich auf

 GeldübergabeDer Markt wirkt besser als Zwangsregulierung, so der bpa Arbeitgeberverband Pflege zu den aktuellen Zahlen im neuen „Entgelt-Atlas“ der Bundesagentur für Arbeit (BA): Demnach sind die Durchschnittslöhne in der Altenpflege innerhalb eines Jahres um fast 5 Prozent gestiegen. Dabei wirkt der gravierende Fachpersonalmangel als stärkste Triebfeder für diese Aufholjagd.

Innerhalb eines Jahres ist das Medianentgelt von sozialversicherungspflichtig-beschäftigten Altenpflegefachkräften von 2.621 Euro (2016) auf 2.744 Euro (2017) um +4,69 Prozent angestiegen – das Medianentgelt in allen Branchen dagegen nur um +2,43 Prozent. Seit 2015 sind die Löhne in der Altenpflege sogar um +7,31 Prozent gestiegen (alle Branchen: +4,05 Prozent).

Starke Sprünge gab es vor allem im Osten der Bundesrepublik. Dort sind die Löhne in zwei Jahren durchschnittlich zweistellig gewachsen (Sachsen +13,03 %, Sachsen-Anhalt: +13,68 %). Spitzenreiter im Westen ist Niedersachsen (+8,91 %). Zu diesen für die Beschäftigten erfreulichen Zahlen erklärte bpa-Präsident Rainer Brüderle:

„Die Löhne in der Altenpflege steigen kräftiger als im Branchenquerschnitt. Und die Löhne für AltenpflegerInnen steigen nicht aufgrund irgendwelcher politischer Interventionen. Sie steigen ganz von allein nach den Gesetzen des Marktes.“ Denn der Arbeitsmarkt für Altenpflegefachkräfte sei schon seit Jahren ein Bewerbermarkt, d.h. die Beschäftigten sind stark umworben und das macht sich auch deutlich bei den Löhnen bemerkbar.

pfeil-nach-oben

Trotz enorm steigender Ausbildungszahlen wird der Mangel an Fachkräften in der Altenpflege auch in Zukunft anhalten und schon deshalb werden die Löhne völlig ohne politisches Zutun weiter deutlich steigen, so Brüderle. Das Medienentgelt für Fachkräfte unter 25 Jahren lag laut BA im Jahr 2017 bei 2.531 Euro. Aus diesem Grund bezeichnete bpa-Präsident Brüderle die Diskussion um allgemeinverbindliche Tarifverträge, die angeblich allein für höhere Löhne sorgen würden, als überflüssige Debatte „aus der politischen Mottenkiste“. Die Politik sollte vielmehr für bessere Rahmenbedingungen zur Fachkräftegewinnung sorgen – dazu gehöre endlich ein unbürokratisches Einwanderungsgesetz.

 

Entgeltatlas der BA
Beruf: Altenpflege (Median der Vollzeitbeschäftigten)
2015 2016 2017 15 auf 16 16 auf 17 15 auf 17
Baden-Württemberg 2.871 € 2.937 € 3.036 € 2,30% 3,37% 5,75%
Bayern 2.830 € 2.875 € 2.989 € 1,59% 3,97% 5,62%
Berlin 2.430 € 2.528 € 2.690 € 4,03% 6,41% 10,70%
Brandenburg 2.184 € 2.283 € 2.424 € 4,53% 6,18% 10,99%
Bremen zu wenige Zahlen verfügbar
Hamburg 2.713 € 2.806 € 2.922 € 3,43% 4,13% 7,70%
Hessen 2.573 € 2.631 € 2.736 € 2,25% 3,99% 6,34%
Mecklenburg-Vorpommern 2.092 € 2.180 € 2.319 € 4,21% 6,38% 10,85%
Niedersachen 2.335 € 2.424 € 2.543 € 3,81% 4,91% 8,91%
Nordrhein-Westfalen 2.777 € 2.801 € 2.917 € 0,86% 4,14% 5,04%
Rheinland-Pfalz 2.649 € 2.721 € 2.850 € 2,72% 4,74% 7,59%
Saarland 2.706 € 2.728 € 2.827 € 0,81% 3,63% 4,47%
Sachsen 1.949 € 2.050 € 2.203 € 5,18% 7,46% 13,03%
Sachsen-Anhalt 1.879 € 1.985 € 2.136 € 5,64% 7,61% 13,68%
Schleswig-Holstein 2.467 € 2.533 € 2.650 € 2,68% 4,62% 7,42%
Thüringen 2.135 € 2.245 € 2.375 € 5,15% 5,79% 11,24%
Bund 2.557 € 2.621 € 2.744 € 2,50% 4,69% 7,31%
Bund (alle Medianentgelte) 3.084 € 3.133 € 3.209 € 1,59% 2,43% 4,05%
Abstand der Mediane 527 € 512 € 465 € -2,85% -9,18% -11,76%
Tabelle: bpa Arbeitgeberverband
Quelle: Entgeltatlas der BAStand: 09. August 2018
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