Ahoi Pflege: Lazarett auf hoher See

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Nicht wenige Pflegefachkräfte denken über eine Veränderung ihres beruflichen Umfelds nach. Dabei haben sie die Qual der Wahl – denn noch nie gab es so viele unterschiedliche Einsatzgebiete wie heute. Haben Sie beispielsweise schon einmal daran gedacht, auf einem Kreuzfahrtschiff oder einem Lazarettschiff zu arbeiten?

Rund 25 Mio. Menschen haben im Vorjahr eine Kreuzfahrt absolviert. Und die Zahl steigt. Derzeit gibt es etwa 300 aktive Kreuzfahrtschiffe, und weitere werden gebaut . Diese schwimmenden Hotels benötigen nicht nur vielfältig qualifizierte Expert*innen für eine Top-Gastronomie sowie eine bestens organisierte Logistik und Betriebstechnik, sondern unbedingt auch medizinisches und pflegerisches Fachpersonal, um eine den hohen Standards angemessene Gesundheits- und Notfallversorgung von tausenden Urlauber*innen  zu gewährleisten.

Doch in den populären TV-Serien sieht man zumeist nur den feschen Schiffsarzt, aber kein Pflegepersonal – kann das sein?

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Alle Hochsee-Kreuzfahrtschiffe haben eine medizinische Einrichtung, das „Hospital“. Zu versorgen sind nicht nur erkrankte oder verletzte Passagiere, sondern auch die Crew. Das medizinische Equipment und die empfohlene personelle Besetzung dieser schwimmenden Lazarette ist in eigenen Richtlinien der US-Gesellschaft für Notfallmedizin festgelegt, denen die meisten Reedereien folgen. Zumeist auf den unteren Decks und mittschiffs gelegen, bieten diese Räume einem Ort hoher Stabilität auch bei lebhafteren Wetterbedingungen. Die Schiffshospitäler verfügen je nach Schiffsgröße über einen Wartebereich sowie mindestens ein Sprechzimmer, einen Untersuchungs- und OP-Raum, eine Bettenstation bis hin zu einer eigenen  Intensiv-Einheit.

Medizinische Geräte finden sich ebenso an Bord wie chirurgisches Instrumentarium oder Gips-Equipment. Für Notfall- und intensivmedizinischeVersorgung sind Defibrillator, Monitoring, Beatmungsgerät, Perfusoren, Sauerstoff und Absaugung vorhanden. Auch eine umfassend sortierte Bordapotheke darf natürlich nicht fehlen.

Einsatz des DRK - Hospitalschiffes Helgoland während des Vietnamkrieges 1966-72: In der Gruppe 2.v.l. DRK - Oberin Mathilde Verhall von der Schwesternschaft Bonn - 1969

 

Vor 45 Jahren, im Jahr 1972, endete einer der größten und längsten Hilfseinsätze des Deutschen Roten Kreuzes: der Einsatz des Hospitalschiffs „Helgoland“ vor der Küste von Vietnam (siehe Video hier).. Im Bild 2.v.l.: DRK – Oberin Mathilde Verhall von der Schwesternschaft Bonn.

HOPE-Lazarettschiff

Welche Pflegekompetenzen sind gefragt?

Das Kompetenzprofil des im Schiffslazarett eingesetzten Pflegefachpersonals entspricht der Besonderheit wochenlanger Seefahrt: Neben einer ausgeprägten Notfallkompetenz sind Flexibilität, eigenverantwortliches Handeln, Organisations- und Improvisationsvermögen sowie eine überdurchschnittlich hohe Kommunikationsfähigkeit (Mehrsprachigkeit) wichtige Schlüsselqualifikationen. Denn das Spektrum der zu versorgenden Patient*innen und ihrer Erkrankungen ist dem internationalen Gästemix entsprechend breit und vielfältig.

Das gilt natürlich auch für Lazarettschiffe, oftmals im humanitären Hilfseinsatz von internationalen Nonprofit-Organisationen (Bilder o. und re.) – mit dem wesentlichen Unterschied, dass die zu versorgenden Patient*innen – zumeist Opfer von Kriegen oder Naturkatastrophen – im jeweiligen Einsatzgebiet an Bord geholt werden und keine anspruchsvollen „zahlenden Urlaubsgäste“ sind.

 

Aufruf an unsere Leserschaft:

Sind Sie beruflich auf Schiffen aktuell tätig oder tätig gewesen? Dann berichten Sie uns doch bitte von Ihren Erfahrungen an: redaktion@lazarus.at – wir freuen uns darauf!

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