Schweiz: Ist die Pflege Kostentreiber?

Höhere Löhne in der Pflege? Derartige Visionen seien „nicht seriös“ – meinte der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren jetzt in einem Interview. Wir dagegen meinen: Es ist genügend Geld da, es wird nur schlecht verteilt.

„Die Personalkosten dürfen insgesamt nicht weiter ansteigen, weil ein weiterer Anstieg der Gesundheitskosten für die Bevölkerung nicht akzeptabel ist.“

Lukas Engelberger, Jurist und Präsident der Schweizer kantonalen Gesundheitsdirektoren, im Interview

 

Kommentar

Derartige Statements zeugen vom historisch engen „Kantönli-Geist“ und ignorieren beharrlich die Tatsache, dass die Schweiz zu viele Regionalspitäler hat, die natürlich enorme Gesundheitskosten verursachen. Würde nur jedes zehnte Krankenhaus – zugunsten von spezialisierten Schwerpunkt-Spitälern – geschlossen und in regionale Gesundheits- und/oder Reha-Zentren umgewandelt, ergäben sich daraus zahlreiche positive Synergieeffekte für das gesamte Gesundheitssystem, wie etwa:

a) Deutlich entspannte Personalsituation in den Kliniken und Altenheimen, vor allem im Pflegebereich

b) Signifikante Kostenreduktion, wodurch höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege leicht finanziert werden könnten

c) Spürbare Entlastung der versicherten Beitragszahler*innen

d) Erhöhte Effizienz – und Krisenfestigkeit (CoVID-19,…) – der spezialisierten Schwerpunkt-Kliniken, und nicht zuletzt

e) Höhere Attraktivität der Pflegeberufe durch angemessene Personalschlüssel.

Schweiz-2030_PWC_Spitallandschaft

Grafik „Schweiz 2030“ – PWC, 2018

Um all dies zu erreichen, müssten lediglich einige Bürgermeister und kantonale Gesundheitsdirektoren ihren Lokalpatriotismus zugunsten gemeinsamer Spitäler mit den Nachbar-Kantonen konstruktiv überwinden. Wie dies gelingen kann, hat eine PwC-Studie bereits vor zwei Jahren aufgezeigt (siehe Grafik o., wir berichteten).

Keinesfalls aber darf die professionelle Pflege als Kostentreiber öffentlich diskreditiert und für politische Versäumnisse in Geiselhaft genommen werden, Herr Engelberger!

Erich M. Hofer

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