Influenza-Schutzimpfung 2020: Kreative Mitarbeiter-Motivation der Spitäler im Corona-Herbst wichtiger denn je

Bereits in den Vorjahren sind diverse Krankenhäuser und Pflegeheime mit originellen Kampagnen und sogar Gewinnspielen an ihre Beschäftigten herangetreten, sich freiwillig einer Grippeschutzimpfung zu unterziehen. Teilweise mit überraschendem, zum Großteil jedoch mit bescheidenem Erfolg. Vor allem das Pflegepersonal reagierte bislang sehr zurückhaltend. Wird das jetzt im Corona-Herbst anders?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch Institut (RKI) wird ungeduldig: Die bisherige Impfquote der Über-60-Jährigen sei „mit 35 Prozent völlig unzureichend“ und habe „in den vergangenen 10 Jahren sogar kontinuierlich abgenommen“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme. Für die kommende Grippesaison 2020/2021 peilt die StiKo eine hohe Influenza-Impfquote in den Risikogruppen an, da die Covid-19-Pandemie noch dazu komme. Auch an Ärzte und Pflegekräfte appelliert sie ausdrücklich, sich impfen zu lassen.impfung

Nicht sinnvoll sei dagegen eine Ausweitung der Impfempfehlung auf die gesamte Bevölkerung, so die StiKo-Experten – diese sei im Gegenteil sogar kontraproduktiv, weil es zu einer Verknappung des Impfstoffes für die Risikogruppen führen könnte.

Nur jede dritte Pflegekraft ließ sich impfen

Für Ältere, chronisch Kranke, Immungeschwächte und Schwangere kann die echte Grippe lebensbedrohlich werden. Deshalb ruft das RKI in Berlin alljährlich zur Grippe-Impfung auf und umwirbt in einem speziellen >> Flyer besonders das medizinische Personal, das sich selbst, aber auch die Patienten sowie ihr soziales Umfeld dadurch besser schützen soll. Mit bescheidenem Erfolg: Im Jahr 2017  ließen sich laut RKI zwar gut 60 Prozent der Ärzte, aber nur jede dritte Pflegeperson impfen. Hauptgrund für die Impfmüdigkeit waren fehlendes Vertrauen in Sicherheit und Effektivität der Impfung.

Dabei müssten seit dem >> Präventionsgesetz von 2015 die Klinik- und Heimleitungen ein hohes Interesse an geimpften Mitarbeiter*innen haben. Seitdem dürfen sie nämlich den Impfstatus ihrer Mitarbeiter erfragen, sind aber auch verpflichtet, gegebenenfalls danach zu handeln. So müssten sie etwa einen nicht-geimpften Mitarbeiter an einen anderen Arbeitsplatz versetzen, wo die Patienten oder Bewohner weniger gefährdet sind. Zudem könnten sich die Einrichtungen sogar strafbar machen, warnt die Deutsche Krankenhausgesellschaft, wenn die Ansteckung eines Patienten durch einen Mitarbeiter eindeutig nachgewiesen würde – was in der Praxis bislang kaum möglich ist.

Da die Appelle des RKI nicht den gewünschten Erfolg bringen, setzen Kliniken und Heime zunehmend auf eigene Kampagnen, um die Impfbereitschaft der Beschäftigten freiwillig zu erhöhen – denn Zwang ausüben dürfen die Arbeitgeber nicht. Allerdings könnte bei steigender Durchimpfung der „soziale Druck“ der Belegschaft auf die verbleibenden Impfmuffel steigen.

Kommentar

Corona PLUS Influenza – DAS könnte ein dramatischer Winter 2020/21 werden! Wir Pflegende haben es „in der Hand“ – durch eigenen Impfschutz UND unser konsequentes Hygiene-Management – denn eines allein wird nicht ausreichen!
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Einfach mal zur ethischen Reflexion – ganz ohne „Glaubenskrieg“:
Schützen wir unsere anvertrauten, meist multimorbiden Patient*innen und Bewohner*innen – gerade jetzt im Corona-Herbst ! – vor einer zusätzlichen, evtl. lebensbedrohlichen Influenza-Ansteckung – oder nicht?
P.S.: Der Impftermin bei meinem Hausarzt ist bereits fixiert.
Erich M. Hofer
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