Mehr Sicherheit und Menschlichkeit im Klinikalltag: 10 Jahre Sicherheits- und Deeskalationsmanagement am Kepler Uniklinikum

Seit Jahren nehmen Aggression und tätliche Übergriffe gegen MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen stetig zu. Zum Schutz seiner MitarbeiterInnen setzt das Kepler Universitätsklinikum daher schon seit zehn Jahren auf ein professionelles Deeskalationsmanagement, das Sicherheit schafft, Handlungskompetenz stärkt und die Betreuungsqualität verbessert.

Pflegeexpertin DGKP Andrea Lichtenberg und Pflegeexperte DGKP Manfred Fragner –  Deeskalationsmanagement; Foto: KUK

Was ist Deeskalationsmanagement?

Deeskalationsmanagement bedeutet, frühzeitig zu erkennen, wo sich Konflikte zuspitzen könnten, und mit geeigneten Strategien gegenzusteuern. Es geht darum, in Kontakt zu treten, Grenzen zu erkennen und zu respektieren – sowohl die eigenen als auch die der anderen. Dabei werden keine Opfer-Täter-Begrifflichkeiten verwendet. Im Mittelpunkt stehen die Bedürfnisse und Perspektiven aller Beteiligten.

„Deeskalationsmanagement ist nicht an Berufserfahrung gebunden. Es betrifft alle – vom Berufseinstieg bis zur langjährigen Fachkraft,“ erklärt Pflegedirektorin Simone Pammer, MBA.
„Es geht um Sicherheit, aber auch um Beziehungsgestaltung, Kommunikation und gegenseitige Wertschätzung.“

Ein konstruktiver Umgang mit Aggression und Gewalt ist essenziell, um die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu fördern und die Qualität der Betreuung zu sichern. Das Kepler Universitätsklinikum verfolgt mit seinem Ansatz das Ziel, Wissen und Bewusstsein zu schaffen: Wie gelingt es, Bedürfnisse zu thematisieren und im besten Fall zu erfüllen? Wie kann man in Krisensituationen handlungsfähig bleiben?

„Deeskalation ist ein aktiver Prozess. Es geht darum, Situationen zu verstehen, Handlungsspielräume zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu finden,“ erklärt DGKP Manfred Fragner (Bild), Pflegeexperte und langjähriger Trainer am Kepler Uniklinikum. „Wir fördern eine Kultur, in der Sicherheit und Menschlichkeit Hand in Hand gehen.“

Die Entwicklung am Kepler Universitätsklinikum

Bereits seit Anfang der 2000er Jahre wurden am Neuromed Campus des Kepler Universitätsklinikums Kurse zur Bewältigung von aggressivem Verhalten angeboten. 2013 entschied sich die Pflegedirektion, eigene Deeskalationstrainerinnen und Deeskalationstrainer auszubilden. Seitdem wurden zahlreiche Basiskurse, Refresher und Spezialtrainings für Führungskräfte etabliert. Heute sind rund 90 Prozent der Kolleginnen und Kollegen in definierten Gefährdungsbereichen geschult.

Stabsstelle Sicherheits- und Deeskalationsmanagement

Ein Meilenstein war die Einrichtung der Stabsstelle „Sicherheits- und Deeskalationsmanagement“ am Neuromed Campus im Jahr 2019. Die Aufgaben dieser Stabstelle umfassen:

  • Erarbeitung, Implementierung und strategische Weiterentwicklung einer anwendbaren Struktur für Sicherheits- und Deeskalationsmanagement im gesamten Universitätsklinikum
  • Aufdecken von Verbesserungspotenzialen bei internen Prozessen und Abläufen sowie Steuerung geeigneter Maßnahmen mit Fokus auf Prävention von Aggression und Gewalt
  • Initiierung und Betreuung von Prozess- und Qualitätsverbesserungsprojekten
  • Ansprechpersonen für alle Mitarbeitenden, die Unterstützung im Zusammenhang mit Aggression und Gewalt benötigen
  • Bearbeitung besonderer Vorfälle und Schadensfälle sowie Evaluierung der Prozesse und Zuständigkeiten (z. B. Schulungen, Konzepte)
  • Bedarfsplanung und strategische Ausrichtung der Schulungsmaßnahmen im Unternehmen
  • Bedarfsorientierte Workshops in Bereichen, wo Aggression und Gewalt verstärkt auftreten

Ziele und Wirkung

Das vorrangige Ziel aller Maßnahmen ist die Prävention und Deeskalation von Aggressions- und Gewaltereignissen. Mitarbeitende sollen nach den Schulungen in der Lage sein, sich anbahnende Gewalt frühzeitig zu erkennen und durch adäquates Eingreifen direkte Gewalt zu verhindern. Ein weiteres Ziel ist die Reduktion von freiheitsbeschränkenden Maßnahmen und die Stärkung des Sicherheitsgefühls der MitarbeiterInnen.

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