Während in ganz Österreich über den Pflegenotstand diskutiert wird, hat das Burgenland bereits vor Jahren begonnen, mit konkreten Reformen gegenzusteuern. Mit dem „Zukunftsplan Pflege“ beschreitet das Land innovative Wege und gilt mittlerweile als Vorreiter in der Pflege von morgen.
„Wir haben verstanden, dass wir heute die Weichen stellen müssen, um auch morgen hochwertige pflegerische Versorgung garantieren zu können“, betont Soziallandesrat Leonhard Schneemann in einer Aussendung.
Das Herzstück des burgenländischen Zukunftsplans sind die 71 Pflegestützpunkte, die künftig alle nichtstationären Betreuungs- und Pflegeleistungen unter einem Dach vereinen. Das Land wird in 28 Pflegeregionen eingeteilt. Für jede Region ist eine Trägerorganisation zuständig.
Die Pflegestützpunkte bieten:
- Vier Betreute Wohneinheiten
- Umfassende Tagesbetreuung für bis zu zwölf Personen
- Pflege- und Sozialberatung
- Basis für mobile Hauskrankenpflege
Neben den bereits in Betrieb befindlichen Pflegestützpunkten werden zahlreiche weitere Stützpunkte gerade umgesetzt.
Österreichweit einzigartiges Anstellungsmodell für pflegende Angehörige
Ein weiterer Meilenstein ist das seit Jänner 2024 auch für Vertrauenspersonen geöffnete Anstellungsmodell für betreuende Angehörige. Erstmals werden pflegende Angehörige mit einem regulären Dienstverhältnis sozial abgesichert – mit geregeltem Einkommen, Pensionszeiten und sozialversicherungsrechtlicher Absicherung.
Die Zahlen sprechen für sich: In über fünf Jahren haben bereits mehr als 730 Personen dieses Angebot genutzt, aktuell sind rund 400 Betreuende angestellt. „Das Interesse ist nach wie vor ungebrochen. Unser Modell entspricht den Bedürfnissen der Menschen und wird 2026 konsequent fortgesetzt“, so Schneemann.
Internationales Recruiting
Lösungsansätze liefert das Land Burgenland auch beim Pflegekräftemangel – über Pflegekräfte aus Drittstatten. Einerseits startete man gemeinsam mit dem bfi ein Projekt, um qualifizierte Arbeitskräfte aus Kroatien oder Serbien für die 24-Stunden-Betreuung im Burgenland zu gewinnen und auszubilden, andererseits holt das Land philippinischen Pflegekräfte ins Land. Dazu läuft eine Kooperation zur Rekrutierung indischer Pflegekräfte. Laut Schneemann fehlen trotz guten Ausbildungsangeboten bis zu 1.700 Pflegekräfte – diese müssen vom Ausland geholt werden.
Massive Ausbauoffensive bei stationärer Pflege
Auch wenn das Land mit einem Bündel an Maßnahmen verstärkt auf die ambulante Versorgung setzt, benötigt es auch weiterhin mehr stationäre Pflegeplätze. Daher werden die derzeit 45 burgenländischen Alten- und Pflegeheime mit rund 2.300 Plätzen weiterhin ausgebaut. Erst 2023 wurde in Schandorf ein Pflegeheim für 60 Personen eröffnet. Die neuen Pflegeheime in Zurndorf sowie das in Redlschlag sind bereits in Betrieb. Erweitert wurde das Haus in Draßburg, bei jenem in Olbendorf wird noch gearbeitet.
Kostenlose Beratung
Um Betroffenen und Angehörigen Hilfe zu bieten, übernehmen 14 Pflege- und Sozialberater:innen genau diese Aufgabe. An allen Bezirkshauptmannschaften des Landes stehen sie – angestellt bei der Pflegeservice Burgenland – kostenlos zur Verfügung. Durch die Pflegestützpunkte werden es künftig sogar 28 Beraterinnen und Berater sein.
Finanzierbarkeit auf Jahre gesichert
„Mit dem Zukunftsplan Pflege sichern wir Pflege und Betreuung im Burgenland langfristig ab und bieten allen Menschen leistbare und qualitätsvolle Angebote für ein Altern in Würde, unabhängig vom Einkommen. Zusätzlich bleibt das System auf Jahre finanzierbar“, fasst Schneemann zusammen.

