Versorgungskonzept mit großem Potential: Mit Hospital@Home liegt die Zukunft der Krankenhausversorgung zu Hause

Der Grundgedanke des Versorgungskonzepts „Hospital at Home“ besteht darin, geeigneten Patientengruppen eine Behandlung auf Krankenhausniveau in ihrem Zuhause anzubieten. Eine von der Rhön Stiftung in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass dieser Versorgungsansatz auch in Deutschland großes Potenzial hat.

Die von der inav GmbH durchgeführte systematische Überblicksarbeit fasst die überzeugende internationale Evidenz zusammen und untersucht Best-Practice-Beispiele. Hospital at Home führt demnach zu mehr Patientenzufriedenheit, kürzeren Krankenhausaufenthalten und niedrigeren Behandlungskosten.

Das Konzept, das bereits in den 1970er Jahren entwickelt wurde, sieht vor, dass die Patientinnen und Patienten entweder anstelle eines Krankenhausaufenthalts oder im Rahmen einer frühzeitigen Entlassung zu Hause die für sie sinnvolle Behandlung durch spezialisierte Pflegefachkräfte (teilweise mit Master-Abschluss), ärztliches Personal sowie weitere Berufsgruppen erhalten.

Vorreiter im Bereich Hospital at Home sind die USA und Spanien, gefolgt von Großbritannien und Singapur.

Sehr überzeugende Studienlage

Die Evidenz sei überwältigend: So ergab die Studie u. a., dass Hospital at Home bei den klinischen Behandlungsoutcomes und bei Wiederaufnahmen mindestens gleich gut abschneidet wie die konventionelle Krankenhausversorgung. In Bezug auf die Patientenzufriedenheit und die Behandlungskosten ist das Konzept der Regelversorgung sogar deutlich überlegen.

Besonders beeindruckende Zahlen weist das Best-Practice-Beispiel Huntsman at Home des Huntsman Cancer Institute an der Universität Utah, USA, auf. Es richtet sich an Menschen mit einer Krebsdiagnose, die nach einem stationären Aufenthalt weiterhin akutmedizinischen oder therapiebedingten Versorgungsbedarf haben. Im Rahmen des Programms gelang es, Krankenhausaufaufnahmen um 55 Prozent und Notaufnahmen um 45 Prozent zu reduzieren. Stationäre Aufenthalte konnten um einen Tag verkürzt und die Behandlungskosten um 47 Prozent gesenkt werden.

Auch das Sheba Medical Center in Tel Aviv, Israel, erreichte mit dem weltweit ersten vollständig virtuellen Krankenhaus Sheba Beyond durchweg positive Evaluationsergebnisse, darunter Einsparungen der Behandlungskosten um etwa 40 Prozent.

Strukturelle Hürden in Deutschland

In Deutschland fehlt es an Voraussetzungen für die Implementierung von Hospital at Home, so das Fazit der Studie. Neben einer leistungsfähigen technologischen Infrastruktur umfasse dies beispielsweise sektorenübergreifende Vergütungssystematiken und differenzierte Berufsbilder in der Pflege.

Interessante Ergebnisse seien von den beiden Innovationsfonds-Projekten VirtualWardund STAY@HOME – TREAT@HOME zu erwarten, die das Konzept Hospital at Home aktuell in Deutschland in Pflegeheimen bzw. im häuslichen Setting erproben.

Die vollständige Studie „Hospital@Home – Ein innovatives Versorgungskonzept für die Gesundheitsversorgung der Zukunft“ finden Sie HIER

 

image_pdfimage_print