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Blog: „Lernen heißt auch, sich selbst zu begegnen“
„Veränderung ist jedoch nur dann erfolgreich, wenn sie nicht nur im Außen in Form von Strategie oder veränderten Prozessen stattfindet, sondern auch in den Köpfen der Mitarbeitenden vollzogen und verinnerlicht wird.“
Gastbeitrag von Regina Bauer

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Foto: zVg
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Technologische Fortschritte, die zunehmende Digitalisierung und auch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie – alle diese Faktoren haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Umfeldbedingungen im Gesundheitsbereich stark verändert haben. Wollen Gesundheitsorganisationen wettbewerbsfähig bleiben, sind sie gezwungen, auf die geänderten Verhältnisse zu reagieren und nachhaltige Veränderungskonzepte zu etablieren. Veränderung ist jedoch nur dann erfolgreich, wenn sie nicht nur im Außen in Form von Strategie oder veränderten Prozessen stattfindet, sondern auch in den Köpfen der Mitarbeitenden vollzogen und verinnerlicht wird.
Doch welche Rolle kommt hierbei dem Dachwert „Vertrauen“ zu und warum sollten moderne Führungskräfte neben einer hohen Managementkompetenz auch über spezifische psychologische und neurowissenschaftliche Kenntnisse verfügen?
Das Gehirn – Schlüssel für menschliches Verhalten
Um verstehen zu können, warum Menschen so denken und handeln, wie sie es tun, ist es wichtig, sich mit der Entwicklung des Gehirns zu beschäftigen. Viele Prozesse und Verhaltensprogramme, die sich evolutionsgeschichtlich entwickelt und bewährt haben, wirken noch heute in uns. Darüber hinaus wird ein Großteil des menschlichen Verhaltens von unbewussten Prozessen bestimmt. Die Amygdala (Mandelkern) mit Sitz im limbischen System spielt eine wesentliche Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen. Sie gilt als Zentrum der angst- und furchtgeleiteten Verhaltensbewertung, da sie eine Schlüsselrolle beim Entstehen von vorwiegend negativen bzw. stark bewegenden Emotionen einnimmt.

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Abb.: Regelkreis der Vertrauensbildung
(Quelle: Laufer, H. (2018). Vertrauensvolle Mitarbeiterführung. Hintergründe, Leitfäden, Lösungsvorschläge. Wiesbaden: Springer Gabler. S. 40),
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Aber auch überraschende und positive Ereignisse können zu einer Aktivierung der Amygdala führen. Bedeutet: Je mehr negative oder positive Erfahrungen eine Person in der Vergangenheit in bestimmten Situationen gemacht hat, desto stärker werden diese Erfahrungen in zukünftigen Situationen und Erinnerungen miteinander verknüpft.
Bedürfnisbefriedigung als Motivation für Veränderung
Menschen streben nach Bedürfnisbefriedigung – in allen Lebenslagen. Je besser die eigenen Bedürfnisse befriedigt werden, desto höher ist auch die Motivation für Veränderung. Situationen und Umstände, die den eigenen Bedürfnissen entgegenstehen, etwa durch einengende Regeln in der Entscheidungsfreiheit oder Verbote, verursachen eine Bedrohung bis hin zu physischen Schmerzen. Das menschliche Gehirn ist jedoch bestrebt, Schmerzen zu vermeiden.
Damit Mitarbeitende bereit sind, sich auf Veränderungen einzulassen, sollte zunächst Neugierde geweckt werden. Diese Neugier entsteht jedoch nur, wenn eine vertrauensvolle Bindung und ein Gefühl von Sicherheit vorhanden sind.
Ob sich Menschen für etwas anstrengen wollen oder nicht, hat ebenfalls seinen Ursprung im Gehirn. Damit die Entscheidung für Veränderung positiv ausfällt, müssen bestimmte Faktoren bekannt sein: die genaue Vorstellung des möglichen Verlaufes, der Aufwand und das zu erwartende Ergebnis. Alleine die Vermutung eines zu erwartenden Erfolges führt bereits zu einem befriedigenden Gefühl der Belohnung. Anstrengung ist seit Jahrmillionen die grundsätzliche Voraussetzung für Belohnung und somit für Lustempfinden. Oder anders gesagt: Einzig und allein die direkte Belohnung von Anstrengung, also die Lust an der eigenen Leistung, wird mit Motivation belohnt. Maßnahmen, deren Fokus darauf liegen,
Meinungen von Führungskräften und Mitarbeitenden in den Veränderungsprozess miteinzubinden, führen zu einer stärkeren Vertrauensbasis und somit zu einer gemeinsamen Ausrichtung auf die Ziele der Zukunft. Vertrauen in das Management und in die Kollegen trägt dazu bei, auf ein positives Zukunftsbild zu fokussieren.
Vertrauen statt kurzfristiger Anreize

Wenn Neuronen oder Netzwerke im Gehirn zusammen aktiv sind, werden sie stärker. Dadurch werden zusammengehörige Informationen bei häufiger Benutzung gestärkt. Führungskräfte sollten daher dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter ihre Person mit positiven Erfahrungen verknüpfen, zum Beispiel indem sie ehrliches Interesse zeigen, selbstverantwortliches Handeln fördern oder in schwierigen Situationen mit Rat zur Seite stehen. Dadurch wird das gegenseitige Vertrauen gestärkt, was dazu führt, dass Stoffe im menschlichen Gehirn freigesetzt werden, die zu besserer Zusammenarbeit und mehr Leistung führen.
Es sind vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen, das Gefühl der Zugehörigkeit und die Wertschätzung, die Mitarbeitende motivieren, im Unternehmen zu bleiben. Eine Kultur des Vertrauens ist wirkungsvoller als finanzielle Anreize.
Fazit
Eine erfolgreiche Vertrauenskultur ist kein kurzfristiges Ziel, sondern ein nachhaltiger Prozess, der auf den Prinzipien gehirngerechter Führung basiert. Sie trägt dazu bei, Mitarbeitende langfristig zu binden, Fluktuation zu reduzieren und eine positive Arbeitsatmosphäre zu schaffen. In einer Zeit, in der ein Mangel an qualifizierten Fachkräften und Burnout immer größere Herausforderungen darstellen, ist es umso wichtiger, die natürlichen Bedürfnisse unseres Gehirns zu berücksichtigen und eine Kultur des Vertrauens zu etablieren.
Über die Autorin:
Regina Bauer, MSc, MBA, studierte Health-Care-Management an der Donau Universität in Krems. Sie arbeitet seit 1991 aktiv im Gesundheitswesen und hat dadurch hohen Praxisbezug. Ihre Karriere führte sie mit Zielfokussierung, Ausdauer und mentaler Stärke von ganz unten bis ins gehobene Management. Sie ist außerdem Fachbuchautorin und HeartMath-Coach. Frau Bauerlebt in Neunkirchen (NÖ). Seit Anfang 2023 ist sie Stv. Direktorin und Bereichsleitung Management Wirtschaft und Support im Pflege- und Betreuungszentrum Berndorf. Davor war sie im NÖPBZ Gloggnitz und davor seit 1991 im Universitätsklinikum Neunkirchen tätig.