Gastbeitrag: „Inside JA Wien-Josefstadt“ – Abgeordnete zu Besuch im grössten Gefängnis Österreichs

v.l.n.r.: Mag. Barbara Huemer, Mag. Agnes Sirkka Prammer,Chefinspektor R. H., Mag. Krista Schipper, Mag. Georg Bürstmayr, Bedrana Ribo, DGKP Christian Husch, Mag. Sandra Gaupmann, Nikolaus Kunrath, Kontrollinspektor M. P.

(Fotos: Karo Pernegger)

Gefängnisse sind besondere Arbeitsplätze und mit nichts anderem zu vergleichen. Die Justizanstalt Josefstadt in Wien sticht dabei aufgrund der Untersuchungshaft besonders hervor, berichtet DGKP Christian Husch aus dem Alltag hinter Gittern und Mauern.

Durch die Ungewissheit des Ausgangs des Verfahrens, das mitunter mehrere Monate dauern kann, befinden sich die Häftlinge oft in einer psychischen Ausnahmesituation. Mittendrin und an vorderster Front arbeiten die Gesundheits und Krankenpflege und die Justizwache.

Obwohl die Arbeit physisch wie psychisch sehr fordernd ist, spiegelt sich das nicht in der Entlohnung und den Arbeitsbedingungen wider. Um die Politik dafür zu sensibilisieren, wurden Nationalrats und Gemeinderatsabgeordnete der Grünen zu einer Führung eingeladen, sich persönlich ein Bild von der Situation zu machen.

210929_justzanstalt_josefstadt_@karo_pernegger-55Zu Beginn der Führung wurden die Schaukästen präsentiert, in denen sich Exponate befinden, die die Häftlinge illegal hergestellt hatten. Neben einer Destille sind hier auch Waffen, Rauchutensilien und Verstecke zu sehen. Beim Wachzimmer wurden den Besuchern die Hauptaufgaben von Justizwachebeamten (JWB) und der Tagesablauf erläutert.

Um den interessierten Gästen einen Überblick über die Größe des Gefängnisses zu verschaffen, wurde der Dachposten aufgesucht, von wo aus man den Überblick über die gesamte Haftanstalt hat.

Die letzte Station führte in die Sonderkrankenanstalt (SKA). Nach Ausführungen über den Aufbau und die Arbeitsgebiete der SKA wurden ein Beobachtungshaftraum für die genauere, videogestützte Überwachung auffälliger Häftlinge, eine Zelle für Bodypacker, die im Verdauungstrakt Drogen transportieren, und die umgebaute Toilette – zum Bergen der Drogenpäckchen besichtigt.

Am Ende stellten sich die Pflege, die Justizwache und die Einsatzgruppe, die Spezialeinheit der Justizwache, vergleichbar mit der WEGA in Wien, vor. Besonderes  Augenmerk lag auf der Personalsituation und der geringen Bezahlung, die die ohnehin prekäre Personalsituation zusätzlich massiv verschärft.

210929_justzanstalt_josefstadt_@karo_pernegger-42Die Grüne-Politiker*innen waren sehr beeindruckt vom Gefängnis und von den Leistungen des Personals und haben sich viele Punkte für Verbesserungen notiert. Uns als Gewerkschaft der NichtExekutive war es wichtig zu demonstrieren, dass zivile Bedienstete und Justizwache aufeinander angewiesen sind, eine gute Zusammenarbeit pflegen, das Gemeinsame vor das Trennende stellen und mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, die nur gemeinsam gelöst werden können.

DGKP Christian Husch, BSc MSc MSc
Gewerkschafter

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