DNQP: Neuer Expertenstandard zum Umgang mit Demenzkranken

Der neue Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ wurde am 06. Oktober 2017 in der OsnabrückHalle vorgestellt und diskutiert. Die Mehrzahl der etwa 650 Teilnehmenden der Konsensus-Konferenz bildeten Pflegefachkräfte aus allen Bereichen der Gesundheitsversorgung und der Altenhilfe.

DNQP 1992

Der Expertenstandard-Entwurf wurde durch eine vierzehnköpfige Expertenarbeitsgruppe aus Pflegewissenschaft und -praxis von 2016 bis 2017 erarbeitet. Die wissenschaftliche Leitung der Arbeitsgruppe lag in den Händen von Prof. Dr. Marina Roes (Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, DZNE, Standort Witten). Gemeinsam mit einem Team von Wissenschaftlern hat sie zudem eine Analyse nationaler und internationaler Forschungsliteratur erarbeitet, die die Grundlage der Empfehlungen durch die Expertinnen und Experten bildete.

Den Schwerpunkt der Konferenz bildete der strukturierte und durch Prof. Dr. Astrid Elsbernd (Lenkungsausschussmitglied des DNQP) moderierte Fachdiskurs zu den fünf Kriterienebenen des Expertenstandards. Der Fachdiskurs wurde durch einen Vortrag von Prof. Dr. Martina Roes eingeleitet. Sie verdeutlichte anschaulich den Weg von ersten, theoretisch geleiteten Überlegungen zur Spezifizierung des Themas „Pflege von Menschen mit Demenz“ hin zur Entscheidung, das Bedürfnis und den Bedarf von Menschen mit Demenz nach einem Erhalt und der Förderung ihrer Identität und der Stärkung ihres Person-Seins in den Mittelpunkt der Entwicklung des vorliegenden Expertenstandard-Entwurfs zu stellen. Ergebnis dieser Entscheidung ist die Zielsetzung des Expertenstandards, dass jeder pflegebedürftige Mensch mit Demenz Angebote zur Beziehungsgestaltung erhält, die sein Gefühl gehört, verstanden und angenommen zu werden sowie mit anderen Personen verbunden zu sein, erhalten oder fördern.

Auf fachlich hohem Niveau diskutierten die Teilnehmenden den vorgestellten Entwurf des Expertenstandards. Dabei fand die thematische Konzentration des Entwurfs auf Beziehungsgestaltung und Personzentrierung durchgehend positive Resonanz. Viele Diskussionsbeiträge gaben der Expertenarbeitsgruppe zudem wertvolle Hinweise und Ergänzungsvorschläge zur abschließenden Bearbeitung des Expertenstandard-Entwurfs und der Kommentierungen der Standardkriterien. Zusätzlich wurde reger Gebrauch von der Möglichkeit gemacht, schriftliche Stellungnahmen und Anmerkungen beim DNQP einzureichen.

Mit der Veröffentlichung des Sonderdrucks zum konsentierten Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ ist Anfang 2018 zu rechnen.

 

Modellhafte Implementierung in der ersten Jahreshälfte 2018

Der neue Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ wird von Januar bis Juni 2018 in einzelnen Pflegeeinheiten von ca. 25 Einrichtungen der stationären Altenhilfe, ambulanten Pflegediensten und Krankenhäusern unter fachlicher und methodischer Begleitung des wissenschaftlichen Teams des DNQP modellhaft implementiert. Ziel der modellhaften Implementierung ist, Aufschluss und Erkenntnisse über Praxistauglichkeit und Akzeptanz des Expertenstandards und Voraussetzungen für seine Einführung zu gewinnen

Bewerbungen zur Teilnahme am Implementierungsprojekt nimmt das DNQP bis zum 10.11.2017 entgegen. Um die Auswahl geeigneter Einrichtungen zu erleichtern, bitten wir Sie um eine aussagekräftige, schriftliche Bewerbung. Diese sollte beinhalten:

– eine kurze Darstellung Ihrer Einrichtung
– eine kurze Beschreibung der in Frage kommenden Modellpflegeeinheit(en)
– Hinweise über den Entwicklungsstand der Pflege (z. B. systematische und theoriegeleitete Anwendung der Pflegeprozessmethode einschließlich der Pflegedokumentation)
– Hinweise über Erfahrungen mit systematischer Qualitätsentwicklung in der Pflege, z. B. der Implementierung und dauerhaften Anwendung von Expertenstandards oder der Anwendung der Methode der Stationsgebundenen Qualitätsentwicklung
– Hinweise über das Vorhandensein eines pflegerischen Qualitätsmanagements
– die Zusicherung der strategischen Unterstützung durch das Einrichtungsmanagement und der entsprechenden Bereitstellung personeller und zeitlicher Ressourcen für Projektbeauftragte, Arbeitsgruppe, die AG-Arbeit der Modellpflegeeinheiten, Fortbildung und Anleitung der beteiligen Pflegefachkräfte und das abschließende Audit
– die Benennung einer projektverantwortlichen Person, die über Erfahrungen mit Qualitäts- oder Pflegeentwicklungsprojekten verfügt, allerdings wenn möglich keine Leitungsfunktion ausübt

Im Rahmen des Implementierungsprojekts werden vier ganztägige Sitzungen der Projektbeauftragten in Osnabrück stattfinden. Die erste Sitzung findet bereits am 11.12.2017 statt. Auf die teilnehmenden Einrichtungen kommen ausschließlich Kosten für die Implementierung des Expertenstandards in der Einrichtung und die Reisekosten der Projektbeauftragten zu den Projektsitzungen in Osnabrück zu.

Weitere Hinweise über das Auswahlverfahren und das Vorgehen bei der modellhaften Implementierung finden Sie im „Methodenpapier“ unter www.dnqp.de. Natürlich können Sie sich mit Fragen zum Bewerbungsverfahren und zum Implementierungsprojekt auch direkt an Herrn Heiko Stehling vom wissenschaftlichen Team des DNQP wenden (h.stehling@hs-osnabrueck.de,  Tel: 0541/969-7003).

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung an:

Dipl.-Pflegewirt Heiko Stehling,
MScN Hochschule Osnabrück Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP)
Postfach 1940
D-49009 Osnabrück
Tel.: 0541/969-7003
E-Mail: h.stehling@hs-osnabrueck.de
Internet: http://www.dnqp.de/

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