„Konzertierte Aktion Pflege“ in DE erntet heftige Kritik: „Aus“ für die professionelle Pflege?

Im Rahmen eines Pilotprojektes sollen 15.000 Altenpflegehilfskräfte mit nur 188 Fortbildungsstunden für die medizinische Behandlungspflege in Altenheimen qualifiziert werden. Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz kritisiert dieses Vorhaben scharf und befürchtet eine massive De-Professionalisierung der Pflege zugunsten billigerer Arbeitskräfte.

 

„Wir müssen enttäuscht feststellen, dass die privaten Arbeitgeberverbände im Dachgremium der ´Konzertierten Aktion Pflege´ ihre Interessen offensichtlich erfolgreich durchsetzen können“, erklärt Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, in einer Aussendung vom 16. August. Der ungebremste Drang nach billigen Arbeitskräften in der Altenpflege führe ausschließlich zu einer Deprofessionalisierung, schränke die Attraktivität des Pflegeberufs weiter massiv ein und gefährde am Ende die Versorgungssicherheit., so Mai weiter.

 

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Stein des Anstoßes ist, dass in einem bislang nicht thematisierten Pilotprojekt der „Konzertierten Aktion Pflege“ 15.000 Pflegehilfskräfte im Rahmen einer Qualifizierungsmaßnahme, unter Steuerung des Bundesgesundheitsministeriums, für die medizinische Behandlungspflege in Altenpflegeeinrichtungen fortgebildet werden sollen. Laut ÄrzteZeitung sehe das Programm einen zeitlichen Rahmen von 188 Stunden mit einer abschließenden Prüfung vor. Die so fortgebildeten Pflegehilfskräfte sollen hierdurch berechtigt werden, medizinische Behandlungspflege durchzuführen. Anschließend bestünde für Einrichtungen die Möglichkeit, die so qualifizierten Hilfskräfte auf die Fachkraftquote anzurechnen. Die Kosten des Projekts beliefen sich auf 36 Mio. Euro.

 

Daneben sollen weitere Berufsgruppen wie Physiotherapie oder Sozialassistenten die Behandlungspflege erbringen dürfen. „Das sich die Ministerien dieser Themenstellung überhaupt annehmen, zeige, dass die Politik die Pflege immer noch nicht verstanden habe. Eine derartige Zergliederung der professionellen Pflegeaufgaben könne sich nur schädlich für die Pflegebedürftigen auswirken und werde von der Pflegekammer RLP auf keinen Fall so unterstützt und akzeptiert!, protestiert Dr. Mai.

„Selbstverständlich kann man Pflegehilfskräfte nicht mit ein paar Stunden Fortbildung dazu befähigen, in einem immer komplexer werdenden Pflegesetting eine professionelle und qualitativ hochwertige Pflegeleistung zu erbringen. Es ist offensichtlich, dass hier wieder einmal nur finanzielle Aspekte eine Rolle spielen. Der gesellschaftliche Wille, eine gute und am Menschen orientierte Pflege für Alle sicherzustellen ist unlängst, durch die ständige Präsenz des Themas in der Öffentlichkeit, deutlich formuliert worden. „Geldgier und gute Pflege schließen sich jedoch aus“, gibt Mai zu bedenken.

 

Man sehe jetzt die Pflegeverbände und den Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, die im Dachgremium vertreten sind, in der Pflicht, den massiven Arbeitgeberinteressen Einhalt zu gebieten. Es werde zudem immer deutlicher sichtbar, dass eine durchsetzungsfähige Interessenvertretung für die professionelle Pflege nur mit einer Vereinigung der Landespflegekammern auf der Bundesebene gewährleistet werden könne. Momentan fehle dieser starke und wichtige Player am Verhandlungstisch, sodass die Arbeitgeberverbände ihre Interessen durchsetzen könnten. Wenn es nicht um die aktive Gefährdung von Menschenleben gehen würde, könne man vom „Ausverkauf der professionellen Pflege“ sprechen.

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