42. Int. Kongress für Pflegeberufe in Salzburg: Die Freiheit nehm‘ ich mir

Gestern Samstag, 20. Oktober eröffnete Salzburgs Sozialreferent LR Heinrich Schellhorn  den traditionsreichen Kongress Im Bildungshaus St. Virgil. Organisator Detlef Schwarz (re.) skizzierte im Gespräch, worum es beim diesjährigen Tagungsmotto geht.

.

Der 42. Pflegekongress stand unter dem Motto „Die Freiheit nehm‘ ich mir – Pflege zwischen Zwängen und Spielräumen“.  Pflegekräfte leisten tagtäglich, rund um die Uhr Dienst an Menschen, das bringt Stress, psychische und physische Belastungen mit sich. Und genau hier gilt es anzusetzen: „Mehr Zeit für die Menschen zu haben, ohne ständig auf die Uhr schauen zu müssen, aber auch ohne Leistungs- und Dokumentationsdruck würde zu einer Entlastung für die Pflegekräfte einerseits und andererseits zu mehr Zufriedenheit der Klientinnen und Klienten führen“, betonte Landesrat Schellhorn. Ein generelles Umdenken sei gerade im Bereich, in dem es um „zwischenmenschliche“ Dienstleistungen geht, nötig – nach dem Motto „Entdeckung der Langsamkeit“. Ein „Miteinander“ könne schließlich nur durch ein ausreichendes „Füreinander“ gelingen.

schwarz detlef KH-Seelsorge Salzburg 10-2018_LMZ

.

Detlef Schwarz, Diözesanreferent für Krankenpastoral, ist seit vielen Jahren an der Kinder-Intensivstation der Salzburger Universitätskliniken (SALK) als Krankenhausseelsorger tätig.

Zwischen welchen Zwängen und Spielräumen bewegen sich Pflegekräfte?

Schwarz: Die Taktungen sind kürzer, das Arbeitskorsett ist enger geworden. Das heißt, Pflegekräfte müssen unter höherem Zeit- und Dokumentationsdruck arbeiten, da bleibt das Zwischenmenschliche, die direkte Arbeit mit den Patienten oder auch mit den Angehörigen auf der Strecke. Freiräume sind kaum mehr vorhanden.

Warum sind diese „Freiräume“ so wichtig?

Schwarz: Durch diese sogenannten Spielräume entstehen Lebensräume und Leben ist mehr als nur Überleben.

Was bräuchten die Pflegekräfte?

Schwarz: Wertschätzung, ein offenes Ohr und ein menschliches Wort, mehr Entschleunigung sowie Rücksicht auf die Work-Life-Balance.

Was kann hier die öffentliche Hand bzw. die Politik dazu beitragen?

Schwarz: Die demografische Entwicklung zeigt, dass immer mehr ältere Menschen immer weniger Jüngeren gegenüberstehen. Das heißt, es werden künftig noch mehr Pflegekräfte – es mangelt jetzt schon in einigen Bereichen – benötigt. Hier braucht es eben ausreichend Anreize, wie beispielsweise die Rücksichtnahme auf die Lebensgestaltung, dass eben auch ein Familienleben neben der Arbeit möglich ist, eine gute Ausbildung und ausreichende Entlohnung. Die öffentliche Hand ist dazu gefordert, Geld in die Hand zu nehmen und gemeinsam mit den Pflegewissenschaften an innovativen Ideen und Lösungen zu arbeiten.

Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen?

Schwarz: Als Krankenhausseelsorger an der Kinder-Intensiv-Station erlebe ich oft dramatische Situationen. Die Pflegekräfte sind hier ganz besonders gefordert, gerade wenn ein Kind stirbt. Da braucht es Raum für Gespräche, es ist wichtig sich austauschen zu können und es braucht einen Platz für ein Miteinander.

Foto: Land Sazburg/Monika Rattey

Quelle: LMZ

image_pdf
Share on Google+