Kongress Pflege 2019, Berlin: Mehr Autonomie im Pflegeprozess

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Mehr Autonomie für die Pflege, weniger Arztzentrierung im deutschen Gesundheitswesen – mit dem Pflegeberufegesetz ist ein weiterer Schritt in diese Richtung getan. Denn in dem Gesetz wurde nicht nur die „generalistische“ Ausbildung (ab 2020) beschlossen, sondern auch Tätigkeiten festgeschrieben, die ausschließlich der Pflege vorbehalten sind.

 

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„Damit werden der ärztlichen Berufsausübung Grenzen gesetzt und für die Pflege ein Handlungsspielraum geschaffen, wo sie eigenständig entscheiden kann und muss – auch mal gegen eine ärztliche Auffassung“, erklärt Prof. Frank Weidner (Bild), Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP) in Köln. Auf dem Kongress Pflege 2019 – der am 25. – 26. Januar wieder von Springer Pflege in Berlin veranstaltet wird – wird der Pflegewissenschaftler über die Konsequenzen dieser neuen Regelung für Pflegepraxis und Haftungsrecht berichten.

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Den Pflegebedarf feststellen, den Pflegeprozess (Abb. re.) gestalten und steuern, die Qualität der Pflege evaluieren und sichern – das sind die vorbehaltenen Tätigkeiten, die nach Paragraph 4 des Pflegeberufegesetzes zukünftig nur noch examinierte Pflegefachkräfte übernehmen dürfen. Wer sich nicht daran hält, muss eine Geldbuße bis 10.000 Euro zahlen.

„Damit folgt der Gesetzgeber der beruflichen Realität: Faktisch haben schon jetzt Pflegefachkräfte die Verantwortung für diese pflegerischen Aufgaben“, so Weidner. „Das widerlegt immer noch bestehende Annahmen auch bei Richtern, dass es im deutschen Gesundheitswesen keinen arztfreien Raum gebe.“ Nun ist rechtlich gesichert, dass die Entscheidung der Pflegefachkraft bei diesen Aufgaben Vorrang hat. „Das ist gut für die Pflege, für Patienten und alle anderen Beteiligten, denn damit sind wir beim Kern der Interprofessionalität angelangt“, sagt Weidner. „Solange der Arzt stets das letzte Wort hat, kann von einer Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe auf Augenhöhe nicht die Rede sein.“

 

Neben Management, Bildung, Pflegepraxis und Personal stehen vor allem aktuelle pflegepolitische  und -rechtliche Themen auf dem Programm des Kongresses, zu dem rund 1.700 Teilnehmende erwartet werden. Am Abend des 25. Januar wird im ZDF-Hauptstadtstudio im Rahmen des Kongresses der „Pflegemanagement-Award 2019“ verliehen.

 

Mehr Informationen zum Kongress hier.

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