Pflegefachkräfte-Anwerbung aus dem Ausland: Falscher Weg floppt

Was LAZARUS und viele weitere kritische Stimmen schon seit Jahren vorhergesagt haben, bestätigte jetzt eine Anfragebeantwortung der deutschen Bundesregierung im Bundestag: Nur schlappe 2.385 Pflegekräfte konnten in den letzten sechs Jahren aus dem Ausland angeworben werden – davon arbeiten jedoch erst 1.600 tatsächlich bereits im Land, der Rest absolviert Sprachkurse. Eine desaströse Bilanz, die hoffentlich ein Umdenken in Richtung eigener deutscher Pflegeschulen im Ausland vorantreibt und die beschämende Ausbeutung der ohnedies knappen Fachkraftressourcen ärmerer Staaten beendet?

Flop - Daumen runter

 

Über Anwerbeprogramme sind in den vergangenen sechs Jahren 2.385 Pflegekräfte aus Nicht-EU-Staaten nach Deutschland vermittelt worden. Diese stammen vorwiegend aus Bosnien-Herzegowina, Serbien, Tunesien und den Philippinen, einige Dutzend auch aus China oder Mexiko. Davon  sind aber erst rund 1.600 tatsächlich nach Deutschland gekommen, die anderen nehmen noch an Sprachkursen im Herkunftsland teil.
Über das Programm „MobiPro-EU“ haben nach Angaben der Bundesregierung 600 Jugendliche aus EU-Staaten eine Ausbildung in der Alten- und Krankenpflege in Deutschland begonnen. Davon haben bislang erst 94 die Ausbildung abgeschlossen, 169 sind noch dabei. Von den 94 AbsolventInnen arbeiten den Angaben der Bundesregierung zufolge wiederum nur 63 junge Menschen als PflegerInnen in deutschen Einrichtungen.

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Angesichts von aktuell rund 35.000 unbesetzten Stellen allein in der stationären Langzeitpflege seien diese Ergebnisse völlig unbefriedigend, kritisierte die FDP-Pflegeexpertin Nicole Westig . Die Anwerbung aus dem Ausland allein könne zwar den Pflegenotstand nicht beheben, sie sei aber ein Baustein dazu. Die Bundesregierung müsse darüber hinaus die Anerkennungsverfahren für Berufsabschlüsse – derzeit zwei bis drei Monate – weiter verkürzen. Im Zuge des gerade im Endspurt befindlichen „Fachkräfte-Einwanderungsgesetzes“ des Innenministeriums ist eine neuerliche Kampagne zur Anwerbung von Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten – auch für den Bereich der Pflege – geplant, verspricht die Bundesregierung. Der nächste Flop?

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