Schweizer Spitäler: Rehospitalisation steigt deutlich an

Zu frühe Entlassungen? Medizinische Qualitätsmängel? Ökonomische Zwänge? Oder gibt es Schwachstellen in der ausserklinischen Nachsorge bzw. spitalsexterne Pflegefehler? Faktum ist: Der „Drehtür-Effekt“ steigt deutlich an: Bei 47 Schweizer Spitälern (+29 gegenüber dem Vorjahr) kam es im Jahr 2016 zu signifikant mehr stationären Wiederaufnahmen von Patient*innen. Das berichtet jetzt das Gesundheitsportal Medinside.

Dies neusten Zahlen des Nationalen Vereins für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) zeigen : Im Datenjahr 2016 lagen 47 Spitäler oder Spitalstandorte über der Norm (rote Dreiecke). Die Grafik stellt das Verhältnis der erwarteten (Patientenmix) zu der beobachteten Rate der potenziell vermeidbaren Rehospitalisationen aller teilnehmenden Spitäler dar.

ANQ_Rehospitalisierung_Schweiz-2016
Verhältnis der Raten (beob./erw.) nach Anzahl auswertbarer Spitalsentlas-sungen/Jahr
(Grafik: ANQ)

 

Zusatzanalysen zeigen: Die sinkende durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Patient*innen und der Referenzzeitraum zur Berechnung der erwarteten Rate beeinflussen laut ANQ das Ergebnis der Spitäler mit zu hohen Raten. Diese Faktoren allein können jedoch nicht dafür ausschlaggebend sein, so die Qualitätsinstitution. Um ein klares Bild von den Einflussfaktoren zu erhalten, sollen weitere Messjahre und Analysen folgen.

Vielfältige Faktoren nur teilweise beeinflussbar

Für den direkten Spitalvergleich ist das Verhältnis zwischen der erwarteten und der beobachteten Rate zentral. Allerdings könne von einer Rehospitalisationsrate nicht direkt auf die Behandlungsqualität eines Spitals geschlossen werden, heisst es im Bericht des ANQ weiter. Denn auf die externe Nachversorgung oder das Patientenverhalten (Compliance) haben Spitäler weniger bis gar keinen Einfluss.

Basis für die Rehospitalisationsraten bilden die Zahlen aus der «Medizinischen Statistik der Krankenhäuser» des Schweizer Bundesamts für Statistik (BFS). Für die aktuellen Zahlen wurden rund 885.000 Hospitalisationen in 145 Spitälern (195 Standorten) ausgewertet.

 

Analyse-Tool für Spitäler:

Spitäler mit Raten über der Norm können ihre Wiedereintritte hier detailliert analysieren, um Verbesserungsmassnahmen abzuleiten. Dafür stehen zusätzliche Tools zur Verfügung. Der Nationale Vergleichsbericht gibt zudem Empfehlungen für solche Analysen ab.

Beispielsweise könnten Raten für einzelne Fachbereiche oder pro Diagnosegruppe analysiert werden. Der ANQ empfiehlt auch ein Review der entsprechenden Patientendossiers, zumindest der Entlassungsberichte.

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