Im Zeichen der Patientensicherheit: Kein Roboter kann eine Hygienefachkraft ersetzen

Keimbösewicht

Hygiene braucht genügend Fachkräfte – denn diese Spezialist*innen bemühen sich täglich um das Verhindern von Infektionen und damit ein Optimum an Patientensicherheit. Das Internationale Hygieneforum 2019 in Zell am See (Land Salzburg) hat das neuerlich bewusst gemacht.

Den Dialog bestimmten zwei Hygiene-Ansätze: Der „vertikale“ Ansatz richtet sich gegen konkrete Erreger – der „horizontale“ hingegen will möglichst breit anschlagen, viele Keime bekämpfen.

Dr. Michael Berktold

Reden, reden, reden

Dr. Michael Berktold ist an der Medizinischen Universität Innsbruck (Österreich) tätig – als Facharzt für Klinische Mikrobiologie und Hygiene. Auf dem Internationalen Hagleitner-Hygieneforum 2019 sprach Berktold über eine sensible Maßnahme: Patienten zu isolieren. Im Krankenhaus betreffe sie grundsätzlich zwei Situationen: „Entweder die Erreger sind besonders infektiös, das gilt etwa bei Masern. Oder sie bedrohen schon geschwächte Patientinnen und Patienten. Bei denen können zum Beispiel stark resistente Keime Therapieprobleme verursachen.“ Hier wie da aber solle zweierlei vorausgehen: Aufklärung und Information. „Mit den Patientinnen und Patienten reden, reden, reden: Das ist unabdingbar. Denn Angst darf nicht das letzte Wort haben.“

Menschliche Zuwendung, einfühlsame Pflege, fachkundige Behandlung

Prof. Dr. Markus Dettenkofer

Überhaupt stand das diesjährige Hygieneforum ganz im Zeichen der Patientensicherheit. Prof. Dr. Markus Dettenkofer (re.) wirkt als Chefarzt am Klinikum Konstanz (D), dort leitet er das Institut für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention. Zu einer „sicheren Krankenhaushygiene“ gehören für Dettenkofer Fachkräfte: „Unerlässlich sind qualifizierte Pflegende, Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten. Wir brauchen sie auf den Stationen, in den Funktionsabteilungen und OP-Bereichen – mit der erforderlichen Personalstärke. Nur wenn sie da engagiert arbeiten können, lässt sich eine hohe Patientensicherheit erreichen und halten. Moderne Informationstechnologien unterstützen uns schon heute, in Zukunft gilt das wohl vermehrt auch für Assistenz-Roboter. Aber menschliche Zuwendung, einfühlsame Pflege und fachkundige Behandlung werden sie niemals ersetzen können.“

Hygiene ist für alle da

HFK DGKP Norbert Denkmayr_OK-BHS-Linz 06-2019

Was das in der Praxis heißt, schilderte Norbert Denkmayr. Als leitende Hygienefachkraft trägt Denkmayr zur Patienten-Sicherheit im Ordensklinikum Linz (Österreich) bei, und zwar bei den Barmherzigen Schwestern. „Hygiene ist für alle da. Kommunikation kann deshalb unter keinen Umständen zu viel gelten. Gefragt ist ein kollegialer Dialog – mit Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern. Das Hygieneteam soll möglichst präsent sein – nicht nur in Ausbruchssituationen. Zum Arbeitsalltag gehört beispielsweise auch, potenziell problematische Erreger ausfindig zu machen. Denn eines müssen wir bei Bedarf jederzeit können: rasch und richtig handeln.“

Hagleitner-Hygieneforum 2019

Das Hygieneforum wurde heuer bereits zum dritten Mal von der Hagleitner Hygiene GmbH veranstaltet und konnte mehr als 100 Teilnehmende – Pflegefachkräfte, Ärzt/innen und TherapeutInnen – in Zell am See begrüßen (Fotos: Hagleitner / Jennifer Höll).

>> Zur Nachlese der Referate hier

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