COVID-19: Schützen uns Kinder?

Ein erstaunliches Resultat ergab die seit dem Sommer laufende SURPRISE-Studie in der Schweiz: Wer mit Kindern unter 12 Jahren im selben Haushalt lebt, hatte ein deutlich geringeres Risiko positiv zu sein.

Kindertanz

Dies selbst nach Berücksichtigung aller anderen Faktoren inklusive Alter, Geschlecht, Wohnort, Arbeitspensum oder Freizeitaktivitäten. Eine > Studie mit fast 10 Millionen Erwachsenen aus England zeigte kürzlich ähnliche Resultate. Die Gründe dafür sind unklar. Eine Hypothese ist, dass Leute mit Kontakt zu Kindern häufiger auch Infektionen mit sogenannten endemischen Coronaviren haben, welche eine gewisse Kreuzimmunität gegen SARS-CoV-2 hervorrufen könnten.

Die Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene des Kantonsspitals St. Gallen hat im Sommer in Zusammenarbeit mit anderen Schweizer Spitälern eine Kohortenstudie bestehend aus fast 5.000 Spitalmitarbeitenden gestartet. Das Ziel der SURPRISE-Studie ist es, die COVID-19 Erkrankungshäufigkeit beim Spitalpersonal zu bestimmen sowie Risikofaktoren für eine Infektion zu finden. Ob eine Erkrankung stattgefunden hat, wird mittels Antikörpertest bestimmt. Im Gegensatz zu bisherigen Studien zum Thema werden nicht nur Risikofaktoren am Arbeitsplatz Krankenhaus, sondern auch verschiedenste Risiken für eine Ansteckung ausserhalb des Spitals untersucht.

 

Abb.: Sars-CoV-2 Seroprävalenz von 4.664 Spitalmitarbeitenden nach Wohnort

Spannend sind die Ergebnisse bezüglich Risikofaktoren: Der mit Abstand stärkste Faktor war, einen Haushaltskontakt oder Intimpartner mit nachgewiesener SARS-CoV-2 Infektion zu haben (Risiko für Positivität ca. 25-fach erhöht). Wie bereits von anderen Autoren gezeigt, waren Teilnehmende mit Blutgruppe 0 oder auch aktive Raucher seltener positiv. Enge Kontakte mit COVID-19 bestätigten Patient*innen oder anderen Mitarbeitenden, fehlende Kenntnisse von grundlegenden Hygieneprinzipien sowie Besuche der Spitalkantine waren alle mit leicht erhöhtem Risiko assoziiert.

Die SURPRISE-Studie läuft über den ganzen Winter hinweg weiter. Die inzwischen über 5.500 Teilnehmenden senden wöchentlich einen Bericht über ihren Gesundheitszustand. Anfang 2021 werden erneut Antikörper im Blut bestimmt. Diese Resultate werden noch genauere Informationen darüber liefern, wer sich wo angesteckt hat. Ausserdem werden wir mehr über die Dauer des Antikörpernachweises sowie über mögliche Re-Infektionen bei bereits positiv getesteten Teilnehmenden erfahren.

Quelle: www.infekt.ch (18.11.2020)

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